48. Grimme-Preis 2012: "Ein Abend für die Preisträger"

Mehr als 800 geladene Gäste erlebten spannende, unterhaltsame, aber auch nachdenkliche Momente beim 48. Grimme-Preis. Moderator Michael Steinbrecher schaffte für jeden der 46 Preisträger eine ganz persönliche Atmosphäre. Es sollte ein "Abend für die Preisträger" werden - ganz im Zeichen von Grimme.

 

Der selbst schon mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Moderator präsentierte am Abend 14 ausgezeichnete Produktionen und eine sichtlich gerührte Ehrenpreisträgerin. Die thematische Bandbreite der ausgezeichneten Filme war in diesem Jahr so groß wie selten: Von Stricherjungen am Berliner Bahnhof Zoo in der Information & Kultur über eine Hebamme, die mit ihrer Arbeit in einen schweren Konflikt mit sich selbst gerät in der Fiktion bis zu einem Tatortreiniger mit Profil und Charakter in der Unterhaltung.

 

Philipp Walulis, Grimme-Preis-Gewinner für „Walulis sieht fern“ (Tele 5) freute sich sichtlich über seine Auszeichnung in der Kategorie Unterhaltung. Auf die Frage, was er mit einem höheren Budget für sein medienkritisches Format machen würde, sagte der 31jährige: „Ich glaube, ich würde das ganze Geld für Explosionen ausgeben.“ Ebenfalls erhielt Publikumsliebling Bjarne Mädel und sein Team des „Tatortreinigers“ (NDR) einen Grimme-Preis. Ob er einen Wunschsendeplatz habe, wollte Moderator Michael Steinbrecher wissen. „Die Serie heißt ja „Tatortreiniger“, so Mädel, „dann würde es auch Sinn machen, es direkt nach dem Tatort zu zeigen.“ Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.

 

Für Sabine Michel und Maria Wischnewski von „Mein Leben – Die Fotografin Sibylle Bergemann“ (ARTE/ZDF) war die diesjährige Preisverleihung ein besonderer Moment. Im Publikum saß die Tochter der nach den Dreharbeiten verstorbenen Künstlerin. Die beiden Filmemacherinnen hatten am Abend doppelten Grund zur Freude. Sie erhielten für ihr Porträt ebenfalls den Publikumspreis der Marler Gruppe.


Regina Schilling und Luzia Schmid erhielten für „Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule“ (ARD/SWR/HR) eine Auszeichnung für eine einfühlsame, zeitgeschichtliche Dokumentation: „Für uns als Kinder der Reformpädagogik war es ein wirklicher Prozess, eine heilige Kuh zu schlachten“, so Schilling. Ihre Partnerin, Luzia Schmid, ergänzte: „Es war nicht einfach, Produzenten und Redaktionen davon zu überzeugen, einen Stoff umzusetzen, in dem es um Schweigen und Weggucken geht.“ Ein Film, der wütend mache, so Steinbrecher, „weil der Schutz der Schule über den Schutz der Schüler ging.“

 

Den Sonderpreis Kultur des Landes NRW erhielt die Produktion „Du bist kein Werwolf“ (WDR). Moderator Ralph Caspers, der neben Redakteurin Manuela Kalupke und Ralf Dölfs für Idee und Konzeption ausgezeichnet wurde, scherzte über die Tatsache, dass der WDR ein in dieser Form noch nie da gewesenes Format auf den Weg brachte: „Stille Wasser sind tief, und im Grunde ist es gut, so ein Elternhaus zu haben wie den WDR, mit verständnisvollen Eltern, die alles unterstützen, was man vorhat.“


In der Wettbewerbskategorie Unterhaltung freute sich unter anderem die sechsköpfige Gruppe der Produktion „Liebesjahre“ (ZDF), unter ihnen Iris Berben, Peter Simonischek, Axel Milberg und Nina Kunzendorf. Berben, die zum ersten Mal mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, freute sich sichtlich: „Das Arbeiten war so schön, und jetzt der Preis. Ist das nicht toll? Ich bin so glücklich.“ Im Film geht es um ein geschiedenes Paar, das ihr gemeinsames, früheres Haus verkaufen will. Für beide wird die Begegnung in ihrem alten Haus zu einer Reise in die gemeinsame Vergangenheit. „Das Haus“, so Berben, „war fast der fünfte Hauptdarsteller.“

 

Ernst-Dieter Rossmann, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV), ehrte am Abend Hannelore Hoger für ihre Verdienste um das deutsche Fernsehen. „Wir verneigen uns vor Ihrer Kunst und Ihrer Persönlichkeit“, so Rossmann. Mit ihrer Arbeit und ihren zahlreichen Rollen sei sie eine „universelle Schauspielerin“. Hoger war sichtlich gerührt und dankte zunächst ihrer Tochter Nina, die die Verleihung in der ersten Reihe verfolgte: „Du bist mein Herz“.

 

Die 69-Jährige bedankte sich nicht nur bei den Senderverantwortlichen, die vor allem für ihre Rolle der Bella Block gekämpft hätten. Vor allem das Publikum sei für sie besonders wichtig, dessen Ansprüche sie immer wieder aufs Neue erfüllen wolle, „gemeinsam mit meinen tollen Schauspielerkollegen.“

 

Musikalisch begleitet wurde die 48. Grimme-Preis-Verleihung vom Hamburger Quartett Salut Salon. Die vier Frauen sprühten nur so vor Temperament und versetzten gleich zu Beginn das Publikum musikalisch in die Welt des „Tatorts“ – perfekt intonisiert und mit verblüffenden akustischen Effekten: Türenknarzen, Schritte, ein Schuss.

 

Beim anschließenden festlichen Empfang im Rathaus der Stadt Marl gab es also genügend Gesprächsstoff, um den Abend Revue passieren zu lassen.

 

Foto-Impressionen der Preisverleihung in druckfähiger Auflösung finden Sie hier.

Einen Überblick aller Preisträger finden Sie hier.

 

 

"Mitten aus dem Leben"

Grimme-Impressionen von der Bekanntgabe in Düsseldorf

 

 

 

„Das ist der ultimative Ritterschlag“, schwärmte Iris Berben bei der Bekanntgabe der diesjährigen Grimme-Preisträger in Düsseldorf. Die 61jährige Schauspielerin, die in diesem Jahr für ihre Rolle in „Liebesjahre“ (ZDF) ausgezeichnet wird, freute sich besonders, für eben diese Produktion den Preis entgegen nehmen zu dürfen. „Einen solchen Film machen zu können, ist ein Glücksmoment für jeden Schauspieler.“ Im Film spielt Berben eine Frau, die - zusammen mit ihrem Ex-Mann - das ihr gemeinsames, früheres Haus verkaufen will. Doch die Begegnung wird für beide eine Reise in die gemeinsame Vergangenheit. „Es ist einfach toll, Figuren spielen zu dürfen, die mitten aus dem Leben gegriffen sind“, sagte Berben. Besonders spannend finde sie, dass das Film-Haus – neben Axel Milberg, Nina Kunzendorf, Peter Simonischek und ihr – in Wahrheit eigentlich der fünfte Hauptdarsteller sei. Für Iris Berben, die bereits 2008 mit der Besonderen Ehrung des Grimme-Preis-Stifters, dem Deutschen Volkshochschul-Verband, ausgezeichnet wurde, ist dies der erste Grimme-Preis.

 

 

Allein sechs Preisträgerinnen finden sich in diesem Jahr in der Wettbewerbskategorie Fiktion. Für Anna Kurek, Grimme-Jurymitglied und Professorin für Schauspiel an der HFF „Konrad Wolf“ in Babelsberg, ist dies keine Überraschung, „Frauenpower" nennt sie das. Besonders auffällig aber sei ein anderer Punkt: „Gerade die Themen aus dem Alltag entfalten in den Filmen eine richtige Wucht und Unmittelbarkeit.“ Der Fernsehjahrgang 2011 sei in der Fiktion deswegen auch ein guter gewesen, weil er sehr facettenreich war.

 

In der Information und Kultur sind es ebenfalls sechs Preisträgerinnen, die sich über eine Grimme-Trophäe freuen können. Zwei von ihnen, Luzia Schmid und Regina Schilling, werden für ihre Dokumentation „Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule“ (ARD/SWR/HR) ausgezeichnet. Hier lassen sie sowohl Opfer als auch Lehrer des einstigen Vorzeigeinternat zu Wort kommen. In ihrem Film schildern ehemalige Schüler bis ins Detail, welche Praktiken sie erleiden mussten. „Wenn man über Missbrauch spricht, sollte man nicht nur über Missbrauch sprechen, sondern darüber, was passiert ist“, sagten die beiden Macherinnen auf der Pressekonferenz in Düsseldorf. Die Produktion sei deswegen auch teilweise von einem Konflikt der Beteiligten zwischen der Loyalität gegenüber dem Internat und der Aufklärungsarbeit überschattet worden. Ebenso schwer gestaltete sich für beide die Suche nach einem Sender, der dieses Thema aufgreifen wollte.

 

Für Fritz Wolf, Medienkritiker und Jurymitglied, sind die Produktionen der Kategorie Information & Kultur in ihrer Qualität die absoluten Ausnahmen des vergangenen Jahres. „Ansonsten war der Journalismus eher schwach, bisweilen auch laut, hektisch und nervig.“ Er vermisse in der non-fiktionalen Breite eine wirkliche Qualität im deutschen Fernsehen. Dass es dennoch bei diesen Formaten keine schwarz-weiß Malerei geben, zeige die Tatsache, wie bunt der Preisträgerjahrgang 2012 gerade in dieser Kategorie sei.

 

 

Bunt geht es auch in der Produktion „Der Tatortreiniger“ (NDR) zu, für die unter anderem Hauptdarsteller Bjarne Mädel ausgezeichnet wird. Mädel hoffe, dass der Grimme-Preis ein Aufruf für die Sender sei, mutiger zu sein und das zu machen, was ihnen selbst gefällt. „Sie sollten sagen, sie finden das toll und deshalb machen wir das. Sie sollten darauf vertrauen, dass der eigene Geschmack schon der richtige ist.“ Mädels Serie wurde 2011 ohne Ankündigung im Programm des NDR gesendet. Besonders froh ist Mädel über die Zusammenarbeit mit Regisseur Arne Feldhusen, der ebenfalls mit einer Grimme-Trophäe geehrt wird. „Sein Humor und die unbeschreibliche Liebe zum Detail sind wirklich Wahnsinn. Jahre später wird man in den Szenen noch immer etwas neues entdecken.“

 

Dass in der Kategorie Unterhaltung überhaupt zwei Preise vergeben werden, hielt Jury-Mitglied und Medienjournalist Hans Hoff zunächst für undenkbar. Viel Schlechtes habe man sehen müssen, aber die Preisträger „Der Tatortreiniger“ (NDR) und „Walulis sieht fern“ (Tele 5) seien der Beweis, dass man „mit einem geringen Budget Großes stemmen“ könne. Seine Botschaft an die Sender ist daher auch eindeutig: „Schlechte Platzierungen im Programm sind keine Art mit gutem Fernsehen umzugehen.“ Für ihn sei in der Preis-Beurteilung besonders wichtig, dass gleichbleibende Qualität eben nicht für eine Auszeichnung reiche. „Man muss vor allem auf die Entwicklungen achten“, so Hoff.

 

Die Grimme-Preise werden am 23. März 2012 im Theater der Stadt Marl verliehen. Durch den Abend führt Michael Steinbrecher. Musikalisch untermalt wird die Gala von Salut Salon. Die Preisverleihung wird ab 19 Uhr live auf www.3sat.de übertragen und zeitversetzt am selben Abend um 22.25 Uhr auf 3sat gezeigt.

 

 

 

 

Gewinner des 48. Grimme-Preises 2012 bekanntgegeben

Die Gewinner des 48. Grimme-Preises 2012 stehen fest. Insgesamt werden in diesem Jahr 12 Grimme-Preise in den Kategorien Fiktion, Information & Kultur und Unterhaltung sowie vier weitere Sonderpreise verliehen. Insgesamt liegt die Preisträgerzahl bei 46 glücklichen Gewinnern. „Eindrucksvolle, zupackende und nachdrückliche Dokumentationen, herausragende Fernsehfilme mit einem großen Themenspektrum und originelle Unterhaltungsformate prägen den Grimme-Preisjahrgang 2012“, erklärt Grimme-Direktor Uwe Kammann.

 

 

 

In der Fiktion gewinnen „Homevideo“ (ARTE/NDR/BR), „Liebesjahre“ (ZDF), „Die Hebamme – Auf Leben und Tod“ (ZDF/ORF), „Ein guter Sommer“ (ARD/HR) sowie „Dreileben“ (ARD/BR/Degeto/WDR). Somit können sich unter anderem Iris Berben, Peter Simonischeck, Axel Milberg und Nina Kunzendorf über einen Grimme-Preis freuen. Auch Andreas Schmidt, Devid Striesow, Brigitte Hobmeier sowie Kilian Riedhof oder Christian Petzold werden für ihre Leistungen mit einer Trophäe ausgezeichnet.

 

 

Zwei Preise vergeben die Jurys in der Kategorie „Unterhaltung“: „Der Tatortreiniger“ (NDR) mit Bjarne Mädel wird ebenso mit einem Grimme-Preis bedacht wie das Format „Walulis sieht fern“ (Tele5).

 

 

Insgesamt fünf Produktionen werden im Wettbewerbskontingent Information & Kultur vergeben. Dazu gehören: Rosa von Praunheims „Die Jungs vom Bahnhof-Zoo“ (rbb/NDR), Jakob Preuss' „The Other Chelsea“ (ZDF) sowie „Alarm am Hauptbahnhof – Auf den Straßen von Stuttgart 21“ (ARD/SWR) von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier und „Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule“ (ARD/SWR/HR) von Luzia Schmid und Regina Schilling. „Mein Leben – Die Fotografin Sibylle Bergemann“ (ARTE/ZDF) von Maria Wischnewski (Buch) und Sabine Michel (Regie) erhält neben dem Grimme-Preis den Publikumspreis der Marler Gruppe.


Mit dem Sonderpreis Kultur des Landes NRW wird das Team von „Du bist kein Werwolf“ (Ki.KA/WDR) mit Ralph Caspers, Manuela Kalupke und Andreas Dölfs. Brigitte Bertele erhält das Eberhard-Fechner-Förderstipendium der VG Bild-Kunst für ihren Film „Der Brand" (SWR).


Hannelore Hoger erhält die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Sie wird für ihre Verdienste um das deutsche Fernsehen ausgezeichnet.


Die Preisverleihung findet am 23. März 2012 im Theater der Stadt Marl statt. Sie wird ab 19 Uhr live auf www.3sat.de übertragen und zeitversetzt am selben Abend um 22.25 Uhr auf 3sat gezeigt.


Einen Überblick aller Preisträger finden Sie hier.


Die Pressemitteilung zur Bekanntgabe der Preisträgerinnen und Preisträger finden Sie hier.

 

 

Moderationstrio des Eurovision Song Contest für Grimme-Preis nominiert

 

 

Stefan Raab, Anke Engelke und Judith Rakers können sich Hoffnungen auf einen Grimme-Preis machen. Sie sind für ihren „Opening Act“ und die Gesamtpräsentation der auch international hochgelobten Final-Sendung des Eurovision Song Contest 2011 nominiert. Weiter gehen unter anderem auch die Macher von „neoParadise“ (ZDFneo/ZDF), „Danni Lowinski“ (Sat.1), „Let's Dance“ (RTL), „Homevideo“ (ARTE/NDR/BR) und „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ (rbb/NDR) ins Endrennen um eine Auszeichnung.

 

 

Eine Entscheidung beim diesjährigen Wettbewerb steht bereits fest: Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für herausragende Verdienste um das Fernsehen geht an die Schauspielerin Hannelore Hoger.


Insgesamt haben die Auswahlkommissionen 61 Produktionen für einen der insgesamt zwölf Grimme-Preise nominiert. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind dabei mit insgesamt 53 Sendungen vertreten, während die privaten Sender (hier: mit RTL, ProSieben, Sat.1, VOX und Tele5) auf zusammen acht Nominierungen kommen.

 

 

Im Wettbewerbsbereich „Information & Kultur“ gehen 20 Einzelsendungen und Mehrteiler ins Rennen um einen Grimme-Preis. Dazu gehört die Dokumentation "Auf der Suche nach Peter Hartz" (ARD/SWR/WDR), die den ehemaligen Spitzenmanager von VW und Arbeitsmarkt-Reformer unter der Regierung Schröder beobachtet. „Alarm am Hauptbahnhof - Auf den Straßen von Stuttgart 21“ zeichnet eine persönliche Chronik der Protestbewegung zwischen 2010 und 2011. Der Film „45 Min. - Schmutzige Schokolade“ (NDR) zeigt, wie erschreckend groß der Anteil von Kinderarbeit bei der Kakao-Ernte in Afrika ist. Im Bereich „Serien/Mehrteiler“ sind „Sportclub History“ (NDR), „Der Marker“ (ZDFkultur/ZDF) sowie „Hitlers Polizei“ (ARD/rbb/WDR) nominiert.

 

 

Unter den 23 Produktionen im Wettbewerbskontigent „Fiktion“ findet sich unter anderem der Film „Homevideo“ (ARTE/NDR/BR), der eindringlich die fatalen Folgen behandelt, die ein in den Internet-Umlauf gestelltes kompromittierendes Privatvideo eines Schülers hervorruft. Auch der „Polizeiruf 110: Cassandras Warnung“ (ARD/BR) – hier muss der neue Münchner Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) gegen einen Kollegen ermitteln -, ist für einen Grimme-Preis nominiert. Die Nominierungskommission hat ebenfalls die Serie „Ijon Tichy" (ZDFneo/ZDF) und den Mehrteiler „Verschollen am Kap“ (ZDF) für eine Auszeichnung vorgeschlagen.

 

In der Unterkategorie „Spezial“, die spezielle persönliche Leistungen bedenkt, sind drei Auszeichnungen möglich: Einmal für das Ermittlerduo Anneke Kim Sarnau und Charlie Hübner („Polizeiruf 110“, ARD/NDR), dann für Dominik Graf, Christoph Hochhäusler und Christian Petzold wegen der Film-Besonderheit "Dreileben" (ARD/BR/Degeto/WDR) sowie Burkhard Althoff und Milena Bonse („Wer rettet Dina Foxx?“, ZDF).

 

 


Im Bereich Unterhaltung sind 18 Produktionen nominiert. Darunter befinden sich die Late-Night-Show „neoParadise“ (ZDFneo/ZDF), das Musik-Doku-Format „Cover my Song“ (VOX) sowie die Tanzshow „Let's Dance“ (RTL). Serien und Mehrteiler sind hier vertreten mit der fünften Staffel von „Pastewka“ (Sat.1), mit „Danni Lowinski“ (Sat.1) und „Stromberg“ (ProSieben) sowie „Der Tatortreiniger“ (NDR). In der Spezial-Kategorie haben außer Stefan Raab, Anke Engelke und Judith Rakers („Eurovision Song Contest 2011“, ARD/NDR) auch die Produktionsverantwortlichen der Rubrik „NNN - Neueste Nationale Nachrichten“ in der Satire-Sendereihe „Extra 3“ (NDR) sowie das Schauspielerteam des Münsteraner Tatorts (ARD/WDR) – Jan Josef Liefers, Axel Prahl, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Friederike Kempter und Claus D. Clausnitzer – Chancen auf einen Grimme-Preis.

 

 

 

 

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes geht in diesem Jahr an Hannelore Hoger. In der Begründung heißt es, dass die Schauspielerin (die u.a. in nun 30 Folgen die Kommissarin Bella Block verkörpert) „das deutsche Fernsehen in ganz unterschiedlichen Rollen und mit einer beeindruckenden Bandbreite an Figuren und Interpretationen bereichert und maßgeblich wichtige und wertvolle Segmente der TV-Erzählkunst so selbstbewusst wie reflektiert“ geprägt habe.


Die Jurys, welche über die endgültige Vergabe der 48. Grimme-Preise 2012 entscheiden, tagen ab Ende Januar im Grimme-Institut. Die Preisentscheidungen werden am 13. März 2012 auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 23. März 2012 im Theater der Stadt Marl statt.

 

Eine detaillierte Übersicht aller Nominierungen finden Sie hier.

Die Pressemitteilung anlässlich der Nominierungen finden Sie hier.

 

Nachnominierungen 2012: Fünf weitere Produktionen haben Chancen auf einen Grimme-Preis

 

Fünf weitere Produktionen gehen ins Rennen um einen Grimme-Preis. Das Grimme-Institut gab heute bekannt, dass die Auswahlkommissionen im Wettbewerbskontingent "Information & Kultur" drei und im Bereich "Fiktion" zwei Formate nachnominiert haben. Im Bereich "Unterhaltung" wurde keine Produktion nachnominiert. Insgesamt haben nun 66 Produktionen die Chance auf eine Auszeichnung am 23. März 2012 in Marl.


In der Kategorie "Information & Kultur" nominierte die Auswahlkommission "Reine Männersache" (ZDF), "The Other Chelsea" (ZDF) und "Kinshasa Symphony" (WDR/rbb) nach. Im Wettbewerbskontingent "Fiktion" nominierte die Auswahlkommission noch "Die Lehrerin" (ARTE/ZDF) und "Salami Aleikum" (ZDFneo/ZDF).

 

 

Eine detaillierte Übersicht aller Nominierungen finden Sie hier.

Die Pressemitteilung anlässlich der Nachnominierungen finden Sie hier.

 

 

Besondere Ehrung für Hannelore Hoger

 

 

Begründung des Stifters:

 

Eigensinnig, eigenständig, eigenwillig, dazu unverwechselbar und stets von nachhaltig prägender Präsenz: Diese Eigenschaften und Eigenheiten zeichnen die Fernseh-, Film- und Theaterschauspielerin Hannelore Hoger aus.

 

Mit ihrer besonderen Kunst eines eindringlichen, außerordentlich vielfältigen und facettenreichen Spiels schafft sie seit über 40 Jahren speziell auch im deutschen Fernsehen ungewöhnliche Erlebnisräume. Nie ist sie dabei in enger Weise auf eine Darstellung festgelegt, auch nicht bei jener Figur, die dem Publikum seit knapp zwei Jahrzehnten an das Herz und den Verstand gewachsen ist: der Kommissarin Bella Block.


Kein Wunder, dass intellektuelle Ansprüche wie die solche der Filmemacher Alexander Kluge, Peter Zadek, Egon Monk oder Max Färberböck bei ihr besonders gut aufgehoben waren und sind. Denn sie formt Film-Figuren, die auf besondere Art und Weise Bildung verkörpern - eine Menschen-Bildung im umfassenden Sinn. Figuren sind es, die Charakterkonturen und Seelengründe gewinnen in einer Intensität, die schonungslos ist bis zur Schmerzgrenze – wobei sich in der inneren Bewegung Grenzen verschieben und auch jene Tiefen ausgelotet werden, die manche als Untiefen fürchten. In der immer sowohl überraschenden als auch im Profil kenntlichen Interpretation ihrer Figuren gelingt Hannelore Hoger etwas im deutschen Fernsehen relativ Seltenes: hohen Anspruch mit ungebrochener Publikumsattraktivität zu verschränken.


Viele Ober-, Zwischen- und Untertöne hat die Schauspielkunst dieser an ungewöhnlichen Zügen reichen Interpretin. Sie reichen vom Sarkastischen bis zum Schwarzhumorigen, von schrundiger Verzweiflung über bärbeißige Zartheit bis zur schroffen Abkehr, von innerer Zerrissenheit über ironische Abwehrgesten bis zur charmierenden Einladung. Doch hält die Schauspielerin Hannelore Hoger so einzigartig wie selbstverständlich auch Disparates, Hochkomplexes und Widersprüchliches zusammen und verhilft ihren Figuren in jedem Moment zu einer glaubwürdigen Charakterisierung und einer hohen Authentizität. Die, nicht zuletzt, von einer unvergleichlichen Stimme mitsamt unnachahmlicher Intonierungen getragen wird.


Viele Auszeichnungen belegen und bezeugen diese außerordentliche Kunst und heben dabei mit allem Recht auch hervor, welch‘ hohe Bedeutung die professionellen Stationen, die individuellen Rollen und auch das gesellschaftliche Engagement Hannelore Hogers gerade auch für die fernsehkulturelle Entwicklung in der Bundesrepublik haben. Dass Zivilcouragiertes auch dazugehört, in nicht geringem Maße, macht solches Lob zusätzlich wertvoll.


Mit Hannelore Hoger spricht der Deutsche Volkshochschul-Verband seine Besondere Ehrung einer Schauspielerin zu, die ihren Zuschauern nicht alltägliche Wahrnehmungsräume und Verhaltensweisen erschließt, auch im Sinne der Persönlichkeitsbildung. Dabei verbindet sie in außerordentlicher Weise eine hohe Darstellungsintelligenz und eine stets spürbare Interpretationswachheit mit einer intensiven Präsenz und mit immer wieder neuen, auch überraschenden Facetten und Perspektiven. Auf diese Weise hat sie das deutsche Fernsehen in ganz unterschiedlichen Rollen mit einer beeindruckenden Bandbreite an Figuren und Interpretationen bereichert und maßgeblich wichtige und wertvolle Segmente der TV-Erzählkunst so selbstbewusst wie reflektiert geprägt.

 

Die Pressemitteilung zur Besonderen Ehrung finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

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