Klarstellung

30. Mai 2007

Erklärung des Grimme-Instituts zum Verfahren der Nachnominierung des „Elektrischen Reporters“

 

Wegen der Nachnominierung der Website „Elektrischer Reporter“ zum Grimme Online Award ist es zu verschiedenen kritischen Nachfragen gekommen. Sie beziehen sich vor allem darauf, dass der hauptverantwortliche Autor dieser nachnominierten Website, Mario Sixtus, zu Beginn des diesjährigen Wettbewerbs als Mitglied der Jury des Grimme Online Award berufen worden war. Zu diesen Nachfragen stellen wir klärend fest:

 

Im Statut des Grimme Online Award heißt es: „Sofern Kommissions- und Jury-Mitglieder an einem der zur Nominierung oder Prämierung vorgeschlagenen Angebote verantwortlich beteiligt sind, dürfen sie sich an keiner Entscheidung über dieses Angebot beteiligen.“ Der Zeitpunkt, zu dem eine solche Unvereinbarkeit festgestellt wird, ist im Statut jedoch nicht geregelt.

 

Grundsätzlich gilt: Die Berufung der Nominierungskommission und Jury aus Online-Experten, welche als Berater oder Autoren vielfältig tätig sind, birgt unvermeidlich das Risiko, dass sie in unterschiedlicher Form für Web-Angebote, die auch für den Grimme Online Award vorgeschlagen werden, verantwortlich sein können. Im Unterschied zu anderen Medienpreisen, bei denen fachkundige Beobachter und Kritiker in einer Jury nicht unbedingt selbst Akteure sind, ist eine solche Überschneidung beim Medium Internet nicht auszuschließen. Möglichkeiten, Art, Umfang und Relevanz solcher Überschneidungen wurden und werden daher beim Grimme Online Award zu jedem Zeitpunkt des Wettbewerbs und der Entscheidungsfindung sorgfältig geprüft. 

 

Die Nominierungskommission hat im vorliegenden Fall angenommen, dass der „Elektrische Reporter“ von vorneherein wegen der bekannten Mitgliedschaft von Mario Sixtus in der Jury nicht nominiert werden könne. Die danach tagende Jury selbst stellte eine solche Unvereinbarkeit erst mit dem Vorschlag zur Nachnominierung fest. Als – wie üblich – zu Beginn der Jurysitzung mögliche Nachnominierungen erörtert wurden und dabei der Vorschlag gemacht wurde, auch den „Elektrischen Reporter“ in die möglichen drei Nachnominierungen einzubeziehen, trat Mario Sixtus sofort von der Jury-Mitgliedschaft zurück. Weder hat er seinen "Elektrischen Reporter" vorgeschlagen, noch hat er an einer Diskussion und Entscheidung der Jury teilgenommen. Die Bedingung des Statuts – nämlich die Unvereinbarkeit der Hauptverantwortung für eine Site und einer persönlichen Entscheidung über diese Site im laufenden Wettbewerb – wurde folglich jederzeit eingehalten. Insofern hat es auch keinerlei Interessensverquickung, Doppelfunktion oder Günstlingswirtschaft gegeben.

 

Da gleichwohl der für Außenstehende so nicht einsehbare Entscheidungsprozess zu kritischen Vermutungen und zu falschen Schlussfolgerungen geführt hat, wird das Grimme-Institut für den Wettbewerb 2008 eine Änderung des Statuts erörtern, im Sinne einer auch öffentlich nachvollziehbaren Klarheit des Verfahrens.

 

Uwe Kammann
Direktor Adolf-Grimme-Institut