Die Idee
Der Grimme Online Award versteht sich als jährliche Definition von »Qualität im Netz«. Durch seine Auszeichnungen will er zeigen, wie das Internet für herausragende publizistische Angebote einem hochwertigen Qualitätsanspruch gerecht werden kann.
Interview zum Grimme Online Award 2007
Gespräch mit Friedrich Hagedorn, Entwicklung und Projektleitung des Grimme Online Award.
Im Jahr 2006 wurde der Grimme Online Award zum sechsten Mal verliehen. Es wird also Zeit für eine Zwischenbilanz: Was hat der Preis bewirkt?
Der Grimme Online Award hat von Anfang an hohen Zuspruch bei allen Internet-Akteuren gefunden. Wir haben geradezu euphorische Reaktionen von Preisträgern erhalten, die uns immer wieder bestätigt haben, wie wichtig gerade dieser Preis für die Anerkennung ihrer Leistungen ist. Und auch in der Presse und in den elektronischen Medien, vor allem natürlich im Internet, ist der Grimme Online Award als herausragendes Gütesiegel für Online-Qualität gewürdigt worden. Unsere hohen Ansprüche, nämlich Unabhängigkeit, Transparenz, Offenheit und Kompetenz der Jurys, verbunden mit dem guten Image des Grimme-Instituts, bilden dafür die Grundlage.
Die Entwicklung des Internet ist von einer großen Entwicklungsdynamik gekennzeichnet. Web 2.0 oder Social Software sind dafür nur zwei Stichworte. Können die Preis-Kategorien solchen Entwicklungen gerecht werden?
Wir hatten ja bereits in der Vergangenheit einige Kategorien modifiziert und immer die Auffassung vertreten, dass wir hier kein starres Korsett zimmern wollen, sondern unsere Kategorien und Kriterien den Entwicklungen des Internet und den Erfahrungen bei deren Qualitäts-Beurteilung anpassen. Dennoch ist es für uns wichtig, nicht jeder aktuellen Entwicklung im Web hinterherzulaufen und diese mit neuen Kategorien zu bedienen. Denn erstens wollen wir die Anzahl der Kategorien weiterhin begrenzt halten und auch für normale Online-Nutzer nachvollziehbar formulieren. Und zweitens brauchen wir eine gewisse Verlässlichkeit und Kontinuität in der Qualitäts-Bewertung. Wir haben uns vor zwei Jahren für veränderte Kategorien entschieden, die konsequent auf die unterschiedlichen Interessen bei der Internet-Nutzung ausgerichtet sind und den publizistischen Qualitätsanspruch des Preises akzentuieren. Gleichwohl werden wir auch in diesem Jahr mit der Diskussion der eingereichten Vorschläge wieder die Tragfähigkeit und Stimmigkeit der Kategorien und Kritereien überprüfen.
Im Jahr 2001 wurde der Grimme Online Award erstmals verliehen. Warum hat sich das Grimme Institut damals für einen eigenen Internet-Preis entschieden?
In den 90er Jahren hatten die meisten Fernseh-Redaktionen damit begonnen, zu ihren Programmen auch begleitende Internet-Angebote zu erstellen. In Ergänzung und Erweiterung des ausgestrahlten Programms bekamen diese immer wichtigere qualitative Funktionen: Etwa die Bereitstellung von Hintergrundinformationen, die Eröffnung neuer Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Publikum, der Aufbau von öffentlich zugänglichen Archiv-Materialien, langfristige Programmankündigungen etc. Als Institut, das sich um Medien- und speziell Fernseh-Qualität kümmert, konnten wir diese Entwicklung nicht ignorieren. Und so haben wir beschlossen, parallel zum Adolf-Grimme-Fernsehpreis einen eigenen Online-Preis zu verleihen, dessen Profil heute auf die eigenständigen Entwicklungen im Internet ausgerichtet ist.
Welche Entwicklungen, welche besonderen Schwerpunkte oder Akzente lassen sich in den sechs Jahren Online Award beobachten?
Am Anfang haben wir uns noch eher in der professionellen Kreativ-Phase des Internet bewegt. Es wurde viel Fantasie, zum Teil auch viel Geld in unterschiedliche Konzepte und Projekte investiert; aber es gab auch viele Stolpersteine, vor allem bei der Technik und Nutzerfreundlichkeit. Dann folgte die Krise der IT-Branche, verbunden mit Konsolidierungs- und Standardisierungsaktivitäten, die etwa in den TV-Online-Redaktionen verstärkt zum Einsatz von Content-Management-Systemen geführt haben und die den Internet-Auftritten ein durchweg hohes Niveau, aber oftmals auch ein eher gleichbleibendes Gesicht verleihen. Und zwei Tendenzen möchte ich noch betonen, die wir am Anfang nicht so vorausgesehen haben: Nämlich die große Bedeutung wissensvermittelnder Websites, von Web-Specials mit erstaunlicher Informationstiefe und vielfach multimedialer Aufbereitung, und die enorme Entwicklung kommunikativer, von den Nutzern selbst erstellter Online-Formate - ob Weblogs, Wikis oder Podcasts.
Worin sehen Sie in Zukunft die besondere Herausforderung des Preises?
Ich sehe auf der einen Seite die wachsende Expansion, Vervielfältigung, aber auch Zerfaserung des Web in unterschiedlichste Formen, Nutzergruppen und Anwendungen – und die damit verbundene Aufgabe, solchen Entwicklungen mit einer einheitlichen Qualitätsbewertung gerecht zu werden und weiterhin eine – immer wichtigere – Orientierung auf hohem, anerkannten Niveau zu bieten. Ich sehe aber auf der anderen Seite auch unsere anhaltend fragile finanzielle Situation: Wir haben zwar bislang jährlich vor allem im Zusammenspiel der NRW-Landesförderung mit der Unterstützung durch privatwirtschaftliches Sponsoring die Finanzierung des Preises sichern können. Doch wird es darauf ankommen, dieses auch für die Zukunft gewährleisten zu können, und zwar möglichst mit einer Perspektive, die über das jeweils laufende Jahr hinausreicht.
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