Abdullah Ibrahim

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Musik bedeute für ihn Hoffnung, sagt Abdullah Ibrahim, vor 70 Jahren geboren als Adolphe Johannes Brand im südafrikanischen Kapstadt. Schon mit 7 Jahren bekommt er Klavierunterricht, mit 15 spielt er in verschiedenen Bands und wird Berufsmusiker.

Doch das südafrikanische Apartheids-Regime zwingt den später zum Islam übergetretenen Abdullah Ibrahim 1962 ins Exil zu gehen. Seine erste Station ist Zürich, wo er Duke Ellington trifft - ein Kontakt, den seine Frau, die Jazzvokalistin Sathima Bea Benjamin, anbahnt. Ellington verhilft Abdullah Ibrahim zum internationalen Durchbruch.

Viele Jahre lebt er in New York, bevor er nach der Freilassung Nelson Mandelas wieder in seine Heimat zurückkehren kann. In seinem Film lässt Ciro Cappellari den von ihm Portraitierten Abdullah Ibrahim noch einmal durch sein bewegtes Leben reisen, begleitet ihn unter anderem in Kapstadt und trifft mit ihm auf seine Mitstreiter der ersten Stunde.

Abdullah Ibrahim erzählt von der Kraft, die ihm die Musik in seinem Leben gegeben hat und welche Rolle sie für die Identitätsfindung in der Emigration und nun für die Selbstfindung der Menschen im "neuen" Südafrika spielt. Aber auch sein Leben nahe am Abgrund und seine spätere Abwendung von Alkohol und Drogen - nicht zuletzt durch die Religion - spart Abdullah Ibrahim nicht aus.

Und er lächelt belustigt und auch stolz, wenn seine Tochter seine traditionelle Musik mit den Worten beschreibt: "Mein Papa ist ein Rapper!"

Begründung der Jury

 Als Ciro Cappellari 1959 in Buenos Aires geboren wurde, gründete Adolph Johannes Brand, der sich nach den - vor allem musikalischen - amerikanischen Verheißungen "Dollar" nannte, seine erste Band. Sie hieß "Jazz Epistles" und spielte das erste Album einer schwarzen Jazzband in Südafrika ein. Aber der Anspruch, in ihren Songs auch von den Leiden des Volkes zu berichten, die Tradition der afrikanischen Musik zu sichern, trug Brand und seinen Freunden den Hass des Apartheid-Regimes ein. Für den 1934 in Kapstadt geborenen Pianisten und Komponisten beginnt 1962 eine lange Zeit des Exils, die in den 70er Jahren unterbrochen wird, dann aber bis 1990 andauert. Auf persönliche Einladung Nelson Mandelas kehrt der Getriebene, der sich seit seinem Übertritt zum Islam Abdullah Ibrahim nennt und vorwiegend in New York lebt, in seine Heimat zurück. Dort ist alles vertraut und fremd zugleich.

Ibrahim tastet sich an die eigene Vergangenheit heran, trifft Freunde und besucht eine kleine baufällige Musikschule, die seinen Namen trägt. In den Gesprächen mit den früheren Weggefährten wird rasch eine tiefe Verbundenheit spürbar, die auch den Schmerz nicht leugnet über ein Land, das von Gewalt, Armut und Rassentrennung geprägt wurde. Aber Ibrahims würdevolle Menschlichkeit weist in die Zukunft, macht Hoffnung auf eine schrittweise Befreiung aus realer und geistiger Gefangenschaft. Der Film Ciro Cappellaris ist eine sanfte und kluge Hommage an einen Mann, der uns seine ganz eigene Musikkunde auf amüsant-eindringliche Weise lehrt, der bereits "Weltmusik" komponierte und spielte, bevor dieser Begriff existierte, der vom Kämpfer zum Weisen wurde und dessen Lebensreise die Brüche der südafrikanischen Geschichte widerspiegelt. Wir sehen einen Mann, der sehr bescheiden und mit Anflügen charmanter Selbstironie von seinen "Wanderungen" berichtet: Die Kindheit in einer gewalttätigen Umgebung, die Auftritte Anfang der 60er im Zürcher "Africana"-Club, die Begegnung mit Duke Ellington, der feste Wille, sich nicht der Verbitterung zu überlassen, der noch festere Glaube an Versöhnung und Heilung einer schwerkranken Gesellschaft. Cappellari verknüpft mit spielerischer Eleganz die vielen Facetten der Persönlichkeit Ibrahims mit der betörenden Magie seiner Musik, die traditionelle afrikanische Rhythmen mit auch experimentelleren Jazzklängen verbindet, und der Kulturgeschichte seiner Heimat. Die Kamera begleitet den großen alten, doch sehr lebendigen Mann bei der Wiederentdeckung seiner Wurzeln und vermittelt in Konzertausschnitten einen tiefen Eindruck von der Kraft seiner Inspiration.

Ibrahims Kompositionen, darunter "Mannenberg", die Hymne des schwarzen Widerstands, untermalen den im besten Sinne "ansteckenden" Portraitfilm, dessen emotionale Stärke sich ganz natürlich entwickelt, ohne jeden Kitsch.