Begründung der Jury

Da verzichtet einer auf ein Jahr Lohn, macht sich auf in die Welt und schreibt ein Reiseblog. „Na, und?” könnte man fragen, schließlich gibt es Hunderte mehr oder weniger interessant umgesetzte Reiseblogs von Aussteigern und Weltreisenden.  Doch die „Reisedepesche” ist so rund und detailverliebt umgesetzt, dass sie wie ein Leuchtturm aus dem Genre herausragt.  Autor und Betreiber Johannes Klaus hat sein Blog im Stil alter Reise-Bildbände aus den 1950er Jahren gestaltet und vermittelt in pastellfarbener Ästhetik genau dieses neugierig machende Gefühl, das einst die Leser der frühen Nachkriegsreisebildbände sehnsüchtig in die weite Welt blicken ließ.
Das Gästebuch heißt hier „Telegramm”, die Fotogalerien „Lichtbilder” und die Videos werden von einer Wochenschau-Persifl age eingeleitet. Trotz der 1950er-Jahre-Ästhetik geht das Blog virtuos mit Social-Media-Elementen um. Über ein schön umgesetztes Google-Earth-Mashup lässt sich nicht nur die Reiseroute verfolgen, sondern auch in den Inhalten navigieren, die Kommentarfunktion wird von Besuchern lebhaft genutzt und die Videos sind professionell geschnitten und gestaltet, egal ob sie an einem thailändischen Strand oder in einer indonesischen Bambushütte bearbeitet wurden. Aber der Kern des Angebotes sind Texte und Bilder, die dem Nutzer die Menschen, denen Johannes Klaus begegnet, und die Orte, an die es ihn verschlägt, ganz nahe bringen.  Texte, die über schlichte Reiseberichte hinausgehen, eben weil sie refl ektiert und zum Teil selbstkritisch geschrieben sind.
Insgeheim hofft die Jury, dass Johannes Klaus viel länger als nur ein Jahr unterwegs sein – oder nach seiner Rückkehr weitere Projekte in dieser Art umsetzen wird.