Tour de Ruhr

 

TV:Tour de Ruhr - Berichterstattung

 

Donnerstag, 28.Oktober 2010

 

Tour de Ruhr - 1981 und 2010

 

 

 

 

Klischees – Die Marken von morgen


In der Druckindustrie ist das Klischee der Probeabzug einer Vorlage, der "Abklatsch". Das französische cliché ist wohl die Wurzel des heute gern gebrauchten Begriffs, der zumeist für die billige Nachahmung oder auch die überstrapazierte Redensart steht. Sind Klischees negativ, schädlich, gar unvermeidlich, wenn es um die Darstellung des Ruhrgebiets, seiner Alltagskultur, seiner Menschen geht – über Jahrzehnte als Stereotypen mit Fördertürmen, Bergmannskolonien und Taubenschlägen vermittelt?

 

 

 

Diese für Medienmacher wichtige Frage provozierte Kaspar Heidelbachs Film "Nie mehr zweite Liga" von 1999, produziert von der Bavariafilm und von Colonia Media für den WDR. Es ist eine Geschichte von den Sehnsüchten und vom Scheitern von Menschen im Revier, der das Marler Publikum beim (Wieder-)Sehen im Rahmen von "TV: Tour de Ruhr" mit Vergnügen folgte. Sie spielt im "Ruhrpott" at it’s best, geprägt und getragen von all den Bildern, die heute das "Klischee" des Reviers zu bestimmen scheinen.


Bernd Fesel, stellvertretender Direktor des european centre for creative economy (ecce), empfand den Film "als eine Liebeserklärung an die Region". Was ihn an dem Film störe seien nicht die Klischees an sich, sondern die Tatsache, "dass sie so alt sind". Der Repräsentant von ecce, Kooperationspartner des Grimme-Instituts beim Fernsehfestival zu Ruhr.2010, forderte die Kreativen der Medienszene auf, die traditionelle, eben stereotype Sichtweise auf das Ruhrgebiet aufzubrechen und neue Wahrnehmungen im Prozess des Strukturwandels der Region aufzuspüren.

 

 

Solche mithin, in denen sich Aufbruch und Perspektive widerspiegeln. Eine Lanze für neue Stereotypen? Im Idealfall definiert sich eine Landschaft, eine Region, ein durch die Lebensverhältnisse abgegrenzter Raum durch Bilder, Marken, letztlich wieder Klischees, die ihre Identität ausmachen und wiederum zur Stiftung von Identität beitragen. "TV: Ruhr 2010" – ein Marler Signal, sich an die Marken von Morgen zu wagen?

 

Ironie, Brechung, Einsatz von Musik – solche Stilmittel nannte Regisseur Heidelbach als seine erprobten Ansätze, Klischees zu relativieren, sie zu unterlaufen, mit ihnen zu spielen. Der Journalist Jürgen Bischoff plädierte für andere Film- und Fernsehstoffe, etwa rund um das Thema Korruption. Gewiss ein weites Feld und möglicherweise nicht regionenspezifisch.

 

 

 

Marl - Versuch einer Stadt