Alexander Kluge - Begründung des Stifters

 

Unverwechselbar, vielseitig und einzigartig in der Medienlandschaft: Das ist Alexander Kluge. Kaum eine Facette der Welt und der Wirklichkeiten, des schönen und des bösen Scheins, der Künste, der Konstrukte und der gesellschaftlichen Geschäftigkeiten, die er nicht bearbeitet hätte. Kaum eine mediale Form, die er nicht für sich genutzt, umgearbeitet und strategisch eingesetzt hätte. Wenn er – inzwischen sprichwörtlich – die Oper als Kraftwerk der Gefühle bezeichnet hat, so ist Alexander Kluge selbst der Generator eines umfassenden Welt- und Selbstverständnisses durch Sammeln und Darstellen aller Arten von Begebenheiten und Geschehnissen, durch nachsinnendes Einordnen, durch eine imaginationsstarke Montage auch entlegener oder kurioser Dinge und Einsichten.

 

Mit einem schier unerschöpflichen Reichtum an Kenntnissen, Erinnerungsstücken und Nachdenklichkeiten vermisst, erklärt und deutet er die Phänomene des Lebens und der menschlichen Möglichkeiten. Dabei entwirft er – erzählend und berichtend, montierend und reflektierend -- in Büchern, Kinofilmen, Fernsehsendungen eine immer wieder staunenswerte Landkarte der Erfahrungen und der offenen Horizonte, verbunden durch ein schwebendes Netzwerk von Beobachtungen, Einsichten und Assoziationen. Viele seiner denkwürdigen Titel und Sentenzen sind sprichwörtlich geworden, so jener vom „Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“.

 

Zum Einzigartigen gerade auch seiner Fernseharbeit gehört, dass Alexander Kluge gleich­zeitig ein so versierter wie auch listiger und umsichtiger Netzwerker ist, der seine gedank­lichen Bezugskräfte nachdrücklich und nachhaltig in mediale Wirklichkeiten verwandelt. Das vielleicht Erstaunlichste ist dabei, dass er einem scheinbar festgefügten deutschen Fernseh­system mit wacher Energie und samtig eingekleideter Beharrlichkeit eine Neben- und Gegen­welt abtrotzen konnte, die er in mehr als zwei Jahrzehnten organisiert und etabliert hat, auch im unternehmerischen Sinn. Von Kommerzfixierten als „Quotenkiller“ geschmäht, von Denk-Bewussten als phantasievolle Instrumente der Aufklärung gelobt, entwickelte er Fernseh­programme als eigenständige „Fenster“ im Privatfernsehen. Eine Marke wie „Spiegel TV“ hat dort ebenso ihren Platz wie Kulturmagazine unter so offenen Titeln wie „10 vor 11“ oder „News & Stories“, deren Beiträge so eigen wie eigenständig sind, getragen und geprägt nicht zuletzt vom suggestiven Kluge-„Sound“ („ja!?“).

 

Mit Alexander Kluge spricht der Deutsche Volkshochschul-Verband seine Besondere Ehrung einem unermüdlichen Sinn-Arbeiter zu, der mit einer immer wieder neuen Collage von Geschichten, Gesprächen, Bildern, Reflexionen, Anspielungen und Verknüpfungen einen ebenso eigensinnigen wie faszinierenden medialen Kosmos schafft, der als fortwährender Essay zu verstehen ist. Mit seinem tiefgehenden und facettenreichen Verständnis eines lebenslangen – und lustvollen -- Lernens wertet Alexander Kluge das von laufender Selbstent­wertung bedrohte Alltagsmedium Fernsehen in überraschender und beglückender Weise auf.