Ein Projekt von doxs! Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche

Die doku.klasse 2014 startet mit vier Regisseur*innen und drei Filmideen

(Marl/Duisburg) Das Klassentreffen ist komplett: Vier FilmemacherInnen konnten mit ihren eingereichten Stoffen besonders überzeugen und nehmen als erste StipendiatInnen an der doku.klasse des Duisburger Festivals doxs! teil.

Mit der doku.klasse wollen die Kooperationspartner den kreativen und direkten Austausch zwischen jungen Menschen, FilmemacherInnen und TV-Sendern anregen. „Uns interessiert, wie es gelingen kann, intelligente Formen der Zuschauerpartizipation zu entwickeln“, so doxs!-Leiterin Gudrun Sommer zu den Zielen des Projekts. „Spannend wird es dort, wo Teilhabe und Mitsprache in einen Dialog mit Autorenschaft treten“.

In der doku.klasse können sich die Filmemacher mit Jugendlichen über ihren Filmstoff austauschen, dabei noch genauer die Themen und Sehgewohnheiten ihres jungen Publikums kennenlernen und so auch neue Facetten und Potentiale ihres Treatments entdecken. Die Jugendlichen wiederum erfahren unmittelbar am künstlerischen Prozess, wie dokumentarisches Arbeiten funktioniert, und werden mit anspruchsvollen Ästhetiken jenseits des Mainstreams vertraut gemacht. „Ich freue mich auf frischen Wind und angeregte Gespräche – ob sie nun tiefgreifend, unterhaltsam oder beides werden“, formuliert Filmemacherin Lily Engel ihre Erwartungshaltung an das Projekt.

Für die doku.klasse wurden aus 46 Einreichungen drei Projektideen ausgewählt. Zur Bewerbung eingeladen waren alle FilmemacherInnen, die sich an der ZDF/3sat-Ausschreibung ‘Ab 18!’ mit Exposés beteiligt hatten. Die Auswahl für das Stipendiatenprogramm erfolgte unabhängig von der redaktionellen Entscheidung über eine Realisierung der Projekte in der 3sat-Reihe. Einen Blick hinter die Kulissen der doku.klasse wird eine Veranstaltung mit allen TeilnehmerInnen am 6. November 2014 auf dem doxs! Festival in Duisburg werfen.

Die Exposés und Stipendiaten

Ausgewählt mit ihren Exposés wurden die Berliner Filmemacherin Lilly Engel, die ebenfalls in Berlin lebende Dokumentaristin Kristina Konrad und die Filmemacher Insa Onken und Gerardo Milsztein aus Köln.

„Diego“ von Kristina Konrad

„Ich würde gerne eine Spur hinterlassen“, wünscht sich Diego. Der 22-jährige Schweizer ist in London aufgewachsen, studiert Physik in Oxford und hat ein Praktikum bei Goldman Sachs gemacht. Vieles spricht für eine Karriere in der Finanzwelt, wie es sein Vater, den er sehr verehrt, vorlebt. Geld würde das bedeuten und Adrenalin, aber auch Algorithmen zu programmieren für den umstrittenen Hochfrequenzhandel und viel Stress mit 16-Stunden-Tagen. Dann also doch lieber eine Zukunft in der Forschung, im Universitätsbetrieb, mit mehr Zeit für Familie, Sport und sonstige Vergnügen? Bald muss sich Diego entscheiden: Wie will ich leben? Und welche Spur möchte ich hinterlassen?

„Luthervina & Lucy“ von Lilly Engel

Lucy ist 18 – und das ist ihr Problem. Sie floh als Kind vor dem Bürgerkrieg in Angola nach Deutschland. Mit ihrer Mutter, aber ohne Geburtsurkunde. Doch die braucht sie jetzt, ihr Bleiberecht läuft bald aus. Ein quälendes Hin und Her zwischen den deutschen Behörden und dem angolanischen Konsulat bestimmt ihr Leben. „Jeder Tag ist anders. Ich weiß morgens nie, was heute passieren wird.“ Lucy ist gezwungen, Kontakt zu ihrer Mutter aufzunehmen – ohne Ergebnis. Schließlich bleibt ihr keine andere Wahl, um an das wichtige Dokument zu kommen: Sie muss nach Angola, in das Land ihrer Albträume. Die Autorin begleitet Lucy auf ihrer schwierigen Reise zurück in die Vergangenheit.

„Ich, Kevin“ von Insa Onken und Gerardo Milsztein

Du bist falsch, du funktionierst nicht richtig: Dieses Gefühl kennt Kevin gut. Aufgewachsen in einem schwierigen Elternhaus, kam er in der Schule nicht zurecht und fehlte viel. „Das einzige Fach, das mir richtig Spaß machte, war Bio.“ In einem Theaterprojekt für langzeitarbeitslose Jugendliche lernte der 21-Jährige sich zu öffnen. Jetzt kann er sagen: „Das bin ich, Kevin.“ Um später Genetik studieren zu können, hat er eine Ausbildung angefangen. Doch das bedeutet Berufsschule. Die Autoren beobachten den jungen Mann auf dem Weg zu sich und in eine ungewisse Zukunft. Ist Kevins neues Selbstbewusstsein schon stark genug für das ungeliebte System Schule?

Die doku.klasse wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und realisiert im Rahmen von dok you, einer Initiative zur Förderung der Produktion und Rezeption des Kinder- und Jugenddokumentarfilms.

Nähere Informationen sowie Bildmaterial zu den FilmemacherInnen unter www.do-xs.de/presse und zur Ausschreibung ‘Ab 18!’ unter www.3sat.de/film

 

Kontakt

Aycha Riffi
Referatsleitung Grimme-Akademie
Telefon: 02365 9189-46
Telefax: 02365 9189-89
E-Mail: riffi@grimme-institut.de

 
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