Computer, Internet und Videospiele in der Zusammenarbeit mit Eltern:
Initiative Eltern+Medien veranstaltet Werkstattgespräch für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Macht Fernsehen dumm, macht das Internet faul, machen Computerspiele aggressiv? Wie begegnen Medienpädagoginnen und Medienpädagogen in ihrer Arbeit den Eltern, die sich – oftmals emotional aufgeladen – Sorgen um ihre Kinder machen? Diesen und anderen Fragen stellten sich Vertreter aus unterschiedlichsten Einrichtungen, als die Initiative Eltern+Medien am 29. und 30. September erneut zu einem Werkstattgespräch für Multiplikatoren im Rahmen der Initiative Eltern+Medien einlud.
Seit 2007 greift die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen mit der Initiative Eltern+Medien den gestiegenen Beratungs- und Aufklärungsbedarf von Eltern zu Fragen der Medienerziehung ihrer Kinder auf. In einem in NRW einmaligen Netzwerk sind inzwischen rund 70 Medienpädagoginnen und Medienpädagogen organisiert, die sich auf Informationsveranstaltungen den Sorgen und Ängsten von Eltern stellen. Die Ansätze und Strategien des Projektes wurden nun erneut einem interessierten Fachpublikum – darunter Erzieher, Lehrer, Mitarbeiter aus der Kriminalprävention, aus der psychologischen Beratung etc. – vorgestellt.
Unter der fachkundigen Leitung der Medienpädagogen Sabine Eder und Matthias Felling, die neben anderen Experten auch für die Ausbildung der Referenten der Initiative Eltern+Medien verantwortlich zeichnen, wurde in bewährter Manier umfassend und sachkundig über Fakten und Hintergründe, Risiken und Chancen informiert; in Arbeitsgruppen wurden methodische Ansätze zur Konzeption von Eltern-Informationsveranstaltungen konzipiert und erprobt.
Gerade wenn Kinder ihren Eltern durch größere Technik- und Medienkompetenz einen Schritt voraus sind, steigt das Konfliktpotenzial in den Familien erheblich. Verunsicherte Mütter und Väter haben häufig wenig Verständnis für die – häufig als exzessiv empfundene – Mediennutzung ihrer Kinder: „Hast du deine Zeit schon wieder vor dem Computer verplempert?“ heißt es dann. Autoritäre Erziehungsansätze und der Versuch, den Mediengebrauch stark einzudämmen oder gar zu verbieten, verschärfen oftmals die ohnehin schon angespannte Situation. Ein von vielen Eltern erhofftes „Patentrezept“ zum Umgang mit Medien – beispielsweise strikt einzuhaltende Nutzungszeiten – gibt es jedoch nicht.
Dass die Verwendung unterschiedlichster Medien im Zuge der zunehmenden Medienkonvergenz nicht nur Teil der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen ist, sondern darüber hinaus vielfältigste Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bieten kann, vermittelten Eder und Felling nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. So konnten die Werkstatt-Teilnehmer an „Praxisinseln“ selber ausprobieren, womit sich Jugendliche beschäftigen. Hier standen Chatten, Surfen und Computerspielen auf dem Seminarplan. Immer wieder entstanden lebhafte Diskussionen, so über den verantwortungsbewussten Umgang mit persönlichen Daten im Internet, zum Recht am eigenen Bild, über den Sinn und Unsinn von Computerspielen.
Die Beurteilung ist, so wurde deutlich, immer auch gefärbt durch die unterschiedlichen Blickwinkel aus dem Berufsalltag. Ebenso wurde deutlich, dass auch die so genannten „digital immigrants“ – jene Menschen also, die nicht mit dem Computer aufgewachsen sind und ihn folglich auch nicht als selbstverständlichen Teil ihres Lebens betrachten – gefordert sind, sich stetig zu informieren und auch das spielerische Ausprobieren im Blick zu behalten.
So wurden an zwei arbeitsintensiven Tagen reichlich Vorurteile zur Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen über Bord geworfen. Insbesondere die viel diskutierte These, Computerspiele und Internet seien für eine zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen verantwortlich, wurde wesentlich differenzierter betrachtet. Statt nur die Schattenseiten der Mediennutzung in der pädagogischen Arbeit zu berücksichtigen, sollten die Teilnehmer auch der Faszination nachspüren, die vor allem Internet und Computerspiele auf Kinder ausüben. Folgerichtig beschäftigten sie sich auch mit der Entwicklung einer eigenen Haltung, denn: Nicht alle Elternfragen können beantwortet werden! Hier zeigte die Veranstaltung jedoch Wege auf, Fragen aufzugreifen, zurückzuspielen und in der Gruppe zu bearbeiten.
Die Initiative Eltern+Medien ist ein Angebot der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM). Sie unterstützt Kindergärten und Kitas, Schulen und Familienzentren, aber auch Elternvereine und andere Initiativen bei der Planung und Organisation von Informationsveranstaltungen zu Fragen der Mediennutzung. Mit der Durchführung der Initiative Eltern+Medien wurde das Adolf-Grimme-Institut beauftragt. Weitere Informationen zum Angebot unter www.elternundmedien.de



