Soziale Netzwerke und die Folgen

schülerVZ & Co.: Lauter offene Fragen

 

schülerVZ und studiVZ, Facebook, Lokalisten: Fast jeder kennt sie, die großen sozialen Netzwerke im Netz. Wer nicht drin ist, ist out, so heißt es. Aber warum ist es gerade Kindern und Jugendlichen so wichtig, ihr Leben in und mit den virtuellen Plattformen zu organisieren? Und was sind eigentlich Buddy Lists?

 

Gerade Eltern sind oft überfordert bei dem Versuch, mit den Entwicklungen und Angeboten in der Medienwelt Schritt zu halten. Und je weniger sie davon wissen oder verstehen, desto größer werden ihre Sorgen. Denn tatsächlich häufen sich die Meldungen vom Missbrauch der neuen Kommunikationstechniken. Dort werde cybergemobbt, Persönlichkeitsrechte würden verletzt, Fotos unbesonnen eingestellt und ausgetauscht – und so auch schon mal die Karrierechance verspielt, wenn der Schnappschuss von der letzten Party auf dem Schreibtisch des zukünftigen Chefs lande. „Gefährlich und leichtsinnig“ sagen die einen, „halb so schlimm“ oder „notwendiger Entwicklungsschritt“ sagen die anderen.

 

Und tatsächlich: Die Muster gleichen sich. Was in den Online-Netzwerken geschieht, haben wir alle so ähnlich in unserer Kindheit und Jugend durchgemacht. Aber eben nur im Kleinen, und deshalb wird uns mulmig, wenn plötzlich alles öffentlich ist, buchstäblich jeder unsere so genannten Profile kennt, unsere Hobbys, Interessen, Freundeskreise. Und dann ist das Ganze auch noch von wirtschaftlichen Interessen geleitet und werbefinanziert …

 

Viele offene Fragen also und Grund genug für die Referenten der Initiative Eltern+Medien, die Macher eines der größten sozialen Netzwerke auf einer Fachtagung ins Kreuzverhör zu nehmen. Die fand nun am 23. September im Adolf-Grimme-Institut statt. Rund 30 Medienpädagoginnen und Medienpädagogen aus ganz NRW trafen sich in Marl, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und das Thema kritisch und kompetent zu diskutieren. Eingeladen waren dazu Sascha Neurohr (schülerVZ Consumer Care), der schülerVZ-.Jugendschutzbeauftragte Philippe Gröschel sowie der Medienprofi Markus Gerstmann (jugendinfo.de). Durch die Veranstaltung führte Maren Gaidies, ebenfalls schülerVZ. 

 

Während die Input-Referate einen fundierten Blick auf die Entwicklungsmuster von Kindern und Jugendlichen warfen, typische Verhaltensweisen in den sozialen Netzwerken analysierten und verglichen sowie die rechtlichen Grundlagen erläuterten, ging es in den anschließenden Workshops primär darum, wie man die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Eltern gestaltet: Welche Informationen brauchen diese, um kompetent mit den Bedürfnissen ihrer Kinder umgehen zu können? Wie organisiert man Medienerziehung in der Familie? Wie schafft man Vertrauen? Und wie vermittelt man die notwendigen Kompetenzen für den verantwortungsbewussten Umgang?

 

Dabei mussten die schülerVZ-Vertreter sich durchaus kritische Fragen gefallen lassen: Wie steht es um den Jugendschutz? Wird in den Profilen und Gruppen „pro-aktiv“ (so heißt es im Juristendeutsch) nach Inhalten gesucht, die gegen geltendes Recht verstoßen? Warum sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen so kompliziert? Welche Ziele verfolgt der Holtzbrinck-Verlag mit einem Angebot wie schülerVZ? Gibt es zielgruppenspezifische Werbung und virales Marketing? Welche Möglichkeiten haben User, gegen Missbrauch vorzugehen? Wie lange dauert es, bis problematische Inhalte gelöscht sind? Und wie funktioniert überhaupt die „User Care“?

 

Das Schlusswort hatte Markus Gerstmann, der prophezeite, dass es nur eine Frage der Zeit wäre bis zum nächsten großen Ding: „Es wird weitere Migrationen geben. Irgendwann ist auch ein Angebot wie schülerVZ ein alter Hut, wollen die Kinder sich abgrenzen von dem, was die älteren auch schon kennen und nutzen. Das war schon immer so und gehört zum Heranwachsen dazu“.

 

Die Zusammenfassung einiger zentraler Ergebnisse der Fachtagung werden wir Ihnen demnächst auf dieser Seite bereitstellen.

 

Die Initiative Eltern+Medien ist ein Angebot der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM). Sie unterstützt Kindergärten und Kitas, Schulen und Familienzentren, aber auch Elternvereine und andere Initiativen bei der Planung und Organisation von Informationsveranstaltungen zu Fragen der Mediennutzung. Mit der Durchführung der Initiative Eltern+Medien wurde das Adolf-Grimme-Institut beauftragt. Weitere Informationen zum Angebot unter www.elternundmedien.de

Fotos: Inputveranstaltung "Soziale Netzwerke/schuelerVZ" 23.09.2009, Adolf-Grimme-Institut