Begründung der Jury

Screenshot "Literaturport"

Literaturvermittlung im Netz – noch immer erschöpft sich dieser Versuch zu oft darin, für Papier Geschriebenes auf dem Bildschirm zu reproduzieren. Mitunter kapitulieren Web-Projekte für Literatur auch vor der überbordenden Menge an Material. Der „Literaturport“ zeigt, dass es anders geht. Hier gelingt es, eine fokussierte, webgerecht konzipierte Schnittstelle zwischen Autoren und Lesern zu schaffen, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren.

Der „Literaturport“ bietet Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Berlin und Brandenburg einen kleinen, aber komfortabel ausgestatteten Liegeplatz im Web und öffnet deren Werke zugleich auf unkonventionelle Weise für interessierte Leser. Literatur lässt sich über Hörproben – oft vom Autor selbst gelesen – aus erschienenen wie unveröffentlichten Werken erschließen, vor allem aber auch geografisch: Auf Karten werden Orte mit literarischem Bezug, Beziehungen zwischen Werk und Autor lokalisiert – eine literarische Landschaftspflege mit hohem Erkenntniswert. Die gelungene Informationsarchitektur bietet Orientierung beim Stöbern, eine differenzierte Suchfunktion hilft bei der gezielten Recherche nach Autoren, Werken, Verlagen, Veranstaltungen. Schreibende finden ihrerseits eine Plattform, um sich und ihre Arbeit vorzustellen, und einen passgenau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Service mit allen nötigen Informationen über Preise und Stipendien.

Liebevoll umgesetzt ist die Idee der Literatouren: Zwölf Berliner Schriftstellerinnen und Schriftsteller laden zu Themen-Spaziergängen durch ihre Stadt in Text, Bild und Ton ein. Auch hier bietet die Verortung auf Karten nützlichen Mehrwert.

In der geografischen Beschränkung auf die Region Berlin/Brandenburg sieht die Jury keine Schwäche – im Gegenteil. Der enge Fokus vermag den Raum zu schaffen, Informationen solide und detailreich aufzubereiten. Die geplante geografische Erweiterung der Inhalte, so hofft die Jury, sollte der Qualität keinen Abbruch tun.

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