Begründung der Jury

Screenshot "zeitzeugengeschichte.de"

Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, insbesondere der des Dritten Reiches, erfordert einen sensiblen Umgang mit historischen Materialien, vor allem im Kontext des Internet. „Zeitzeugengeschichte.de“ ermöglicht Jugendlichen und Zeitzeugen, deren Erinnerungen gemeinsam und generationenübergreifend im Web zu dokumentieren und zu konservieren und somit subjektiv erlebte Geschichte lebendig zu vermitteln, nicht ohne gleichzeitig auf die Möglichkeiten und Risiken der Oral-History-Ansätze aufmerksam zu machen. Die Zeitzeugen finden dabei ein Forum in dem neuen Medium Web, das ihnen in der Regel kaum zugänglich ist. Die jungen Interviewer hingegen erarbeiten sich ein Stück Geschichte, was ihnen neben dem Erwerb von Medienkompetenz auch einen anderen Zugang zur Generation ihrer (Ur-)Großeltern bietet.  

Hinter der nicht mehr zeitgemäß wirkenden Fassade bietet „zeitzeugengeschichte.de“ verschiedene Zugänge zu den Berichten, die damit im Unterricht an Schulen, aber auch in anderen Projekten genutzt werden können. Denn die Bereitstellung der Inhalte unter einer Creative-Commons-Lizenz ermöglicht die Weiterverwendung ganz im Sinne des Web. Anders als bei vielen kommerziellen Angeboten werden „Walled Gardens“ vermieden und Partizipation wird nicht nur als Einbahnstraße verstanden. Durch die Öffnung dieses Gartens, der Freigabe der Inhalte, können weitere Gärten entstehen. Und da sich das Konzept von „zeitzeugengeschichte.de“ auch auf andere Abschnitte der Geschichte anwenden lässt, besteht hier ein großes Potenzial, die Auseinandersetzung mit Geschichte für viele Generationen lebendig werden zu lassen.

Prämiert werden die Idee, die Redaktion und die Gesamtverantwortung dieses Angebots, das im Web eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ermöglicht.