44. ADOLF-GRIMME-PREIS 2008
Mercedes-Benz Förderstipendium
Das
Mercedes-Benz Förderstipendium
wird vergeben
an
Clemens Schönborn (Buch/Regie)
für
Der Letzte macht das Licht aus
(ZDF)
Produktion: Kaminski.Stiehm.Film
Begründung der Jury
„Der Letzte macht das Licht aus.“ Dieser in der DDR weit bekannte Spruch – er zierte auch die Berliner Mauer – ist der sehr bezeichnende Titel für Clemens Schönborns Film über das Schicksal dreier Handwerker und ihrer Freundinnen und Familien. Eine Berliner Arbeiter- genauer: Arbeitslosenkomödie nach englischem Vorbild, aber in einem milderen deutschen Zuschnitt.
Mehr Komödie als Milieustudie, widmet sich der Film dem originellen Thema von deutschen Hartz IV-Empfängern mit zukünftigem Migrationshintergrund. Denn analog zum ehemaligen DDR-Spruch kehren bei Schönborn Menschen im Jahr 2007 nun der Bundesrepublik den Rücken. Auf dem Arbeitsamt lernen die angehenden Gastarbeiter die Sprache ihres Fluchtortes, unter dem sich kaum einer von ihnen etwas vorstellen kann: Letzte Ausfahrt Norwegen!
Mit „Der Letzte macht das Licht aus“ ist dem jungen Regisseur eine Tragikomödie über moderne Arbeitslosigkeit gelungen, über den sanften Terror der Monotonie, die Dynamik des Abstellgleises und die Minima Amoralia der globalisierten Arbeitswelt: der Handwerksmeister, der bankrott geht, weil die Zahlungsmoral seiner Kunden nicht stimmt, der Zimmermann, der sich auf jeder Baustelle zehn Jahre jünger machen zu müssen glaubt und von den asiatischen Kollegen nur ausgelacht wird, der leutselige Maurer, der sich von einer Akademikerin seine Wertlosigkeit vorführen lassen muss, bis sie am Ende mit ihm ins Bett geht.
Die sympathische Darstellerriege, ergänzt durch viele Laien, verleiht der hübsch lakonischen und mitunter sehr witzigen Komödie dabei ein stets glaubwürdiges Kolorit: Wer bei Hartz IV gelandet ist, der sieht auch so aus. Und so drücken sie wieder die Schulbank, schmeißen in der Imbissbude noch ihre letzten Runden, obwohl sie längst Pleite sind, und schwärmen ihren Frauen und Freundinnen von einem unbekannten Land vor, in dem der deutsche Handwerker noch wer ist – in Norwegen eben.
Das ehrbare deutsche Handwerk ist zur Exportware verkommen, der Stolz im Angesicht des Gerichtsvollziehers stirbt zuletzt, und der Letzte, der am Ende doch nicht nach Norwegen fährt, arbeitet seinen Deckel ab und macht in der Imbissbude das Licht aus. Clemens Schönborn setzt einen Meilenstein auf das selten – viel zu selten – beackerte Terrain der deutschen Arbeiterkomödie.
