44. ADOLF-GRIMME-PREIS 2008

Wettbewerb Unterhaltung

Adolf-Grimme-Preis
an
Anke Engelke und Bastian Pastewka (Hauptdarstellung)
für
Fröhliche Weihnachten
(Sat.1)

Produktion: Brainpool TV

Begründung der Jury

Bloßes Nachmachen ist nicht lustig. Aber gekonntes Parodieren, das tiefe Niveau der Veralberten noch unterbietend, die übelsten Exzesse der Vorbilder noch übertreibend, so könnte es gehen. Viele behaupten, das deutsche Fernsehen sei speziell in seinen Unterhaltungssendungen von so unfassbarer Geistesarmut geprägt, dass man es schon deshalb nicht mehr verulken könne – eben, weil es schon seine eigene Parodie darstelle. Man hört das oft, man sieht so oft so schlechte Nachmacher, dass man diese Theorie nicht gerne, aber irgendwann doch glaubt.

Aber dann kommt „Fröhliche Weihnachten“, ein beliebter Strauß bunter Melodien (oder umgekehrt), ein Parforce-Ritt über die Äcker des Gala-Unwesens, weite Felder fürwahr. Anke Engelke und Bastian Pastewka haben sich die treckerreifenbreite Spur genau angeschaut, haben allerlei Absurditäten neu kombiniert und Funken geschlagen, wo man nur schwaches Glimmen vermutete. Rasante Rollenwechsel, brüllende Komik, detailliert ersonnene und sorgfältigst zelebrierte Katastrophen – selten waren Werbepausen als Zeiten des Wieder-zur-Luft-Kommens so sinnvoll.

Beim schonungslosen Streifzug quer durch die gängigen Formate samt dazugehöriger Knalltüten treiben die beiden Könner – allein schon als tümlich tumbes Moderatorenpaar Anneliese und Michael von großer Reife – ihre Wandlungsfähigkeit auf die Spitze. Angeblich gab es einen echten Gast, nämlich Roger Cicero, aber wer wollte darauf wetten, dass der nicht auch gespielt war?! Wer zählt die Namen, nennt die Rollen, misst den Grad der exakt getroffenen Schmierlappigkeit?

Die Menge macht’s ja nicht allein, aber bei dieser adventlichen Absurditätensammlung macht sie es noch schöner. Wie durchgängig der Bezug zum offiziellen Anlass gewahrt wurde, wie präzise die verlogensten Spielarten der alljährlichen Duselei vorgeführt werden, das hat Klasse jenseits der reinen Blödelei. Aus der Fülle des Angebots doch noch herausragend: die aufeinander folgenden Besuche im Stall zu Bethlehem. Dort verwandeln die Super-Nanny („Der Jesus schreit extrem viel!“), Tine Wittler (die aus dem Stall ein rustikales Loft vom Schlimmsten machte) und Peter Zwegat („Wenn Sie sich und Ihren Mann vier Jahre lang voll mitstillen könnten…“) Maria und Josef in einen Fall für den Paartherapeuten. Aber das wäre wieder eine andere Sendung…