44. ADOLF-GRIMME-PREIS 2008

Wettbewerb Unterhaltung

Adolf-Grimme-Preis
an
Ralf Husmann (Headwriter)
Ralf Huettner und Richard Huber (Regie)
Christian Ulmen (stellv. für das Darstellerteam)
für
Dr. Psycho
(ProSieben)

Produktion: Brainpool TV

Begründung der Jury

Schon der Einstieg in die Serie ist ein Dialogduell, das man sich getrost ein paar Mal anschauen kann: Während die Gattin des Psychologen ihre Sachen packt, läuft er ihr mit schief geknöpftem Hemd hinterher, versichert, alles sei doch „tippi-toppi“, beschwert sich, sie solle nicht mit ihm reden wie mit einem Vierjährigen, und überhaupt sei er sehr wohl lebensfähig, schließlich habe man ihn gerade erst zur SOKO gegen organisierte Kriminalität versetzt.

Was so anfängt, kann keine Krimiserie sein? Und ob: weil Max Munzl auch ganz anders kann. Die SOKO-Mitglieder sind selbstredend der Meinung, ein Psychologe habe ihnen gerade noch gefehlt. Dass sie damit völlig Recht haben, ist der vordergründige und daher nahe liegende Witz an der Sache. Intelligent wird die Geschichte, weil Munzl den durchaus brisanten Fällen stets eine Wendung gibt; zunächst nicht immer unbedingt zum Guten, aber doch entscheidend.

Beeindruckend ist die Kunstfertigkeit, mit der Autor Ralf Husmann die Kurve kriegt: Gerade noch haben die Kollegen den ungeliebten „Psycho-Seppl“ nach Herzenslust gemobbt, da stecken sie alle zusammen mittendrin in einer Geiselnahme mit Todesfolge. Da Munzl ein Meister der Deeskalation ist, weil er die Leute so lange belabert, bis sie sowohl bildlich als auch buchstäblich die Waffen strecken, gelingt es ihm immer wieder, das Unheil abzuwenden; allerdings nur, um gleichzeitig neues herauf zu beschwören.

Die Rolle ist großartig und kaum kaputt zu kriegen, doch erst Christian Ulmen macht einen Typen draus, der sich spielend auf dem Niveau von „Monk“ oder „Dr. House“ bewegt. Traumwandlerisch sicher gelingt ihm die Gratwanderung. Natürlich ist Max Munzl eine fürchterlich peinliche Gestalt. Aber trotzdem mag man ihn, weil er stets das Gute will und bloß aus Versehen oder im Übereifer immer wieder ins Fettnäpfchen tritt. Allerdings bereitet ein großartiges Ensemble Ulmen auch die perfekte Bühne. „Den König spielen die anderen“, heißt es in der Theatersprache, aber für den Hofnarren gilt das nicht minder. Die Gruppe mag klischeehaft zusammengesetzt sein, harmoniert jedoch perfekt: da gibt es den Säufer (Roeland Wiesnekker), den Begriffsstutzigen mit dem Minderwertigkeitskomplex (Hinnerk Schönemann) und das Flintenweib (Anneke Kim Sarnau).

Und das Beste an den von Ralf Huettner und Richard Huber mit perfektem Timing erzählten Geschichten: „Dr. Psycho“ ist eine originär deutsche Serie, die außerdem dankenswerterweise nicht ab-, sondern fortgesetzt worden ist.