Pressemeldungen

04.03.15

Preisträger des 51. Grimme-Preises bekannt gegeben

„Schwere Kost in der Information, große Bandbreite bei der Unterhaltung“


(Marl/Essen) Die Gewinner des 51. Grimme-Preises 2015 stehen fest. „Dieses Fernsehjahr war in ganz besonderer Weise vielfältig und zeigt erfreuliche Ansätze zu programmlichen Innovationen“, sagte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach auf der heutigen Pressekonferenz in Essen. Insgesamt werden in den drei Wettbewerbskategorien Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung zwölf Preise für herausragende TV-Produktionen vergeben. Dazu kommt der Sonderpreis des Landes NRW sowie die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbands (DVV), die in diesem Jahr an Ina Ruck (WDR) und Dietmar Ossenberg (ZDF) für ihre Leistungen als Auslandskorrespondenten verliehen wird (siehe gesonderte Pressemeldung).

Fünf Produktionen werden in der Kategorie Information & Kultur ausgezeichnet. Marcel Mettelsiefen (Buch/Regie/Kamera) erhält einen Preis für „Die Kinder von Aleppo“ (ZDF/ARTE/ Channel 4), eine berührende Dokumentation über eine Familie im syrischen Bürgerkrieg. Für den Dreiteiler „Akte D“ (WDR/MDR/BR) über die Geschichte der Bahn, der Stromkonzerne sowie der Justiz im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit werden für Buch und Regie Christoph Weber, Winfried Oelsner, Florian Opitz sowie für Buch Julia Meyer und für ihre redaktionelle Arbeit Beate Schlanstein geehrt. Daniel Abma (Buch/Regie) erhält einen Grimme-Preis für seinen Debüt-Film „Nach Wriezen“ (RBB/Filmuniversität Babelsberg), der drei jungen ehemaligen Straftätern auf ihrem weiteren Lebensweg folgt. Katharina von Schroeder (Buch/Regie) und Florian Schewe (Regie) werden für ihr bewegendes Südsudan-Porträt „Wir waren Rebellen“ ausgezeichnet. Ein weiterer Grimme-Preis geht an Marc Wiese (Buch/Regie) für die Dokumentation „Camp 14“ (WDR/BR/ARTE) über das nordkoreanische Lagersystem.


„Im Bereich Information und Kultur hatte es die Jury mit schwerer Kost zu tun“, so Gerlach mit Blick auf das Wettbewerbskontingent. „Angesichts der Ereignisse weltweit und der politischen Situation ist das mehr als nachvollziehbar - hier drängen sich Stoffe wie die Flüchtlingsproblematik oder die Lage in der arabischen Welt geradezu auf.“ Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender hätten hier „Herausragendes geleistet, was die Zuschauer fordert, aber auch fordern darf und muss“, so Gerlach. Auffallend sei aber, dass innenpolitische Stoffe fast gänzlich fehlten. „Schon die Nominierungskommission hat kein preiswürdiges Stück über den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gefunden“, sagte Gerlach: „Es ist bedauerlich, dass im deutschen Fernsehen kein herausragendes längeres Stück zu einem der wichtigsten Themen der jüngeren bundesdeutschen Geschichte zu sehen war.“

In der Kategorie Fiktion werden Hans-Ullrich Krause und Cooky Ziesche (Buch) sowie Urs Egger (Regie) und Corinna Harfouch (Darstellung) für den Film „Der Fall Bruckner“ (BR) geehrt. Weitere Preise gehen an Michael Proehl (Buch), Florian Schwarz (Regie), Liane Jessen (Redaktion) sowie für ihre herausragende schauspielerische Leistung an Ulrich Matthes und Ulrich Tukur für den „Tatort – Im Schmerz geboren“ (HR). Mit „Männertreu“ kann sich eine zweite HR-Produktion über Grimme-Preise freuen, ausgezeichnet werden neben dem Buch von Thea Dorn Regisseurin Hermine Huntgeburth sowie die Schauspieler Matthias Brandt, Suzanne von Borsody und Maxim Mehmet. Für das Drehbuch der Mauerfall-Komödie „Bornholmer Straße“ (MDR/ARD Degeto/RBB) werden Heide und Rainer Schwochow (Buch) ausgezeichnet, weitere Preise gehen an ihren Sohn Christian Schwochow (Regie) sowie an Hauptdarsteller Charly Hübner und für die überzeugende Ausstattung an Lars Lange. Jan Georg Schütte (Buch/Regie) und Ulf Albert (Schnitt) erhalten Grimme-Preise für die von einem großartigen Cast improvisierte Partnersuche in „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“ (WDR/NDR). An „Altersglühen“ geht 2015 auch der Publikumspreis der „Marler Gruppe“, die im Rahmen des Grimme-Preises eine Produktion unabhängig von der Grimme-Jury auszeichnet.

Insgesamt hatte die Fiktion 2014 allerdings ein eher schwieriges Jahr. „Die Begeisterung in den Auswahlgremien des Grimme-Preises hielt sich in Grenzen“, sagte Gerlach. So habe sich die Jury erst nach intensiver Debatte entschlossen, auch beim 51. Grimme-Preis wieder das komplette Kontingent von fünf Preisen auszuschöpfen. „Gerade bei der Diskussion der fiktionalen Beiträge spielten unterschiedliche Ansätze in der Beurteilung von Fernsehqualität und Haltungen zwischen erfahrenen und neuen Jury-Mitgliedern eine große Rolle“, sagte Gerlach.

Eine „sehr gute Bandbreite“, so Gerlach, bot 2014 der Bereich Unterhaltung - obwohl die Nominierungskommission gar nicht so viele Beiträge in den Wettbewerb geschickt hatte, wie nach den Statuten des Grimme-Preises möglich gewesen wäre. „Der Stellenwert der Unterhaltung, in dem aktuell nur zwei Preise vergeben werden, bleibt schwierig und wurde auch in diesem Jahr wieder heiß diskutiert. Gleichzeitig sehen wir bei unterhaltenden Stoffen wie dem jetzt ausgezeichneten Format „Mr. Dicks“ die größten innovativen Leistungen“, sagte Gerlach. Bei der geplanten Reform des Grimme-Preises solle daher die Kategorie Unterhaltung gestärkt werden.

Für „Mr. Dicks – Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin“ (EinsFestival/ WDR) werden der Autor Thilo Jahn sowie die Produzenten Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann für die Produktion und Regie ausgezeichnet. Außerdem wird WDR-1Live Wellenchef Jochen Rausch für den Input von 1Live bei der Entwicklung und Umsetzung des Formats geehrt, das in einer crossmedialen Innovationsredaktion des WDR entstand.

 

Neben "Mr. Dicks - Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin"
wird außerdem ein Grimme-Spezialpreis an Dietrich Krauß, Max Uthoff und Claus von Wagner für den kalkulierten Bruch mit den Konventionen des Kabaretts in der Sendung „Die Anstalt“ (ZDF) vom 18.11.2014 verliehen.  Das Trio habe eine klare Haltung gegenüber der aktuellen  Flüchtlingsdebatte gezeig, so die Jury. Durch den Auftritt des syrischen Flüchtlingschors wurde ein emotionaler Moment geschaffen.

Ebenfalls eine positive Bilanz zog das Grimme-Institut beim Fernsehangebot im Bereich Kinder- und Jugendliche. Neben der mit dem Sonderpreis des Landes NRW ausgezeichneten Produktion „Ab18 - 10 Wochen Sommer“ habe es auch in den klassischen Preiskategorien ein deutlich breiteres Angebot an Stoffen für jüngere Zielgruppen gegeben. „Im Rahmen der Diskussion über die Weiterentwicklung des Preises werden wir auch die Möglichkeit einer eigenen Kategorie für solche Programme ausloten“, kündigte Gerlach an.

Bis zum Sommer sollen in mehreren Workshops die Statuten des Grimme-Preises überarbeitet werden. „Der Plan ist ehrgeizig, aber wir wollen die neuen Regelungen möglichst schon beim 52. Grimme-Preis, der mit der Vorauswahl im September seine Arbeit aufnimmt, umsetzen“, sagte Gerlach.

Den 51. Grimme-Preis unterstützen als Hauptsponsoren die Daimler AG und RWE. Stifter des Grimme-Preises ist der Deutsche Volkshochschulverband DVV, weitere Partner sind das Land Nordrhein-Westfalen, das Zweite Deutsche Fernsehen, der Westdeutsche Rundfunk und 3sat.

Die Verleihung des Grimme-Preises findet am 27. März 2015 im Theater Marl statt und wird von 3sat im Livestream ab 19:00 Uhr übertragen sowie zeitversetzt ab 22:35 Uhr als Zusammenfassung ausgestrahlt. Hintergrundinformationen zum 51. Grimme-Preis 2015 gibt es im Internet unter www.grimme-preis.de. Pressevertreter können sich noch bis zum 16. März online akkreditieren.


Kontakt:
Steffen Grimberg
Leitung Grimme-Preis
Tel.: 02365/9189-22
E-Mail: grimberg@grimme-institut.de

Lisa Steinmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 51. Grimme-Preis 2015
Tel.: 02365/9189-57
E-Mail: steinmann@grimme-institut.de