Marias letzte Reise

Inhalt: 

"Ich muss ja irgendwann anfangen mit dem Aufhören!" sagt sich die resolute Bäuerin Maria und beschließt, dass sie die Schnauze voll hat: vom Herumliegen in der Klinik, von der Chemotherapie, vom Warten auf den Tod. Die krebskranke Frau will nach Hause auf ihren Hof und bewusst Abschied nehmen von ihren Blumen und Obstbäumen, von ihren Büchern. Klinikchef Dr. Osterhahn hält das für absolut unvernünftig, zumal Marias Sohn Simon mit der Pflege der Todkranken völlig überfordert wäre. Er schickt Schwester Andrea auf Marias Hof. Die soll die störrische Frau überzeugen, dass das Krankenhaus ein besserer Ort für ihre letzten Tage wäre. Ein Plan, der misslingt, denn auch wenn die temperamentvolle Maria und ihre Krankenschwester immer wieder heftig aneinander geraten, wachsen doch Zuneigung und Respekt zwischen den beiden. So nehmen sie schließlich gemeinsam die Vorbereitungen für Marias letzte Reise in die Hand: noch einmal auf den Berg hinauf und die Aussicht genießen; den Sohn Hans wiedersehen, der nach dem Zerwürfnis mit seinem Bruder Simon in Australien lebt; einen alten Verehrer treffen; und freilich schon mal den Sarg bestellen, den Simon nach Marias Vorstellungen bemalen soll. Tief berührend und dabei sehr humorvoll erzählt "Marias letzte Reise" von den letzten Tagen einer Sterbenden und ist ein Plädoyer für einen menschenwürdigen Tod, der nicht versteckt hinter Klinikmauern stattfinden sollte, sondern - mitten im Leben.

 

Begründung der Jury: 

"Marias letzte Reise" konfrontiert uns mit einer Tatsache, die der Schriftsteller Elias Canetti stets als die unerträglichste Kränkung bezeichnet hat: Dass wir alle sterben müssen. Der Film über den Tod der krebskranken Maria zeigt nicht nur, wie schwer es ist zu sterben, er zeigt auch, wie wichtig es für die Sterbenden und ihre Angehörigen ist, dass sie in Ruhe voneinander Abschied nehmen können. "Marias letzte Reise" zeigt, wie sich die Krankenschwester Andrea (Nina Kunzendorf) vom Rädchen im Getriebe zu einer liebe- und respektvollen Sterbebegleiterin entwickelt. Der sterbenden Maria (wunderbar grantelnd gespielt von Monica Bleibtreu) gelingt es zu Hause noch, ihre letzten Dinge zu ordnen, ihre Söhne miteinander zu versöhnen und vor allem dem Sohn Simon (Michael Fitz), der immer bei ihr geblieben ist, zu sagen, dass sie ihn liebt. Das fällt ihr nicht leicht, denn die Maria war nie eine Frau der großen Worte und Gefühle. Der Film ergreift Partei für Menschlichkeit und für die Heimat. Er zeigt, dass es für den Menschen gut sein kann, dort zu sterben, wo er gelebt hat. Dank den wunderbaren Schauspielern, allen voran Monica Bleibtreu, die den alten Drachen mit der guten Seele so gibt, dass man zugleich lachen und weinen möchte, kippt dieser Film bei aller Harmonie nie ins Triviale oder Kitschige. Autorin Ariela Bogenberger hat dem schweren Thema viel Leichtigkeit gegeben. Nicht zuletzt ist das wohl auch der bayerischen Bodenständigkeit und der Sprache zu verdanken, die dem Film die Authentizität geben. Wie sagt Maria? "Man is halt bleed als Mensch." Rainer Kaufmann hat den Film schwebend zwischen Tragik und Humor, zwischen Trauer und Lebensfreude inszeniert. Kameramann Klaus Eichhammer hat für diesen Heimatfilm im besten Sinne Bilder gefunden, die nicht im Bayern-Klischee ersticken, sondern die herbe Schönheit der Landschaft zeigen. So gelingt es, wie Canetti gefordert hat, "das Furchtbarste so zu sagen, dass es nicht mehr furchtbar ist, dass es Hoffnung gibt, weil es gesagt ist. " Der Film verknüpft Emotionalität mit sehr viel Klugheit und Sensibilität. "Marias letzte Reise" macht uns allen Mut, Gefühle zu zeigen.
Prädikat der Jury: "Zum Heulen schön."