Die Rapaports - Unsere drei Leben

Inhalt

Drei Leben haben sie gelebt, die Rapoports: eines in Deutschland bis zur Zeit des Nationalsozialismus, eines in den USA während des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit und ein drittes in der DDR. Als zwei warmherzige Wissenschaftler mit streitbaren Ansichten werden sie beschrieben und wirken auch mit über 90 Jahren wie frisch verliebt. Samuel Mitja Rapoport und Inge Syllm lernen sich 1944 in Cincinnati kennen - bei der Arbeit in einem Kinderkrankenhaus. Beide haben in den USA eine neue Heimat gefunden, nachdem sie als Juden der deutschen Naziherrschaft entkommen sind. Samuel hat zu diesem Zeitpunkt bereits für eine wissenschaftliche Sensation gesorgt.

Er hat einen Weg gefunden, rote Blutkörperchen haltbar zu machen - bis heute die Voraussetzung für Blutkonserven. Doch in den USA beginnt eine Hetzjagd auf die beiden Wissenschaftler, die überzeugte Kommunisten sind.

Als Samuel 1950 eine Vortragsreise durch Europa macht, flüchtet die hochschwangere Inge mit drei Kindern zu ihm nach Wien. Erst zwei Jahre später können die Rapoports wieder Fuß fassen - Samuel erhält einen Ruf an die Humboldt-Universität in Ost-Berlin. Inge arbeitet später als angesehene Kinderärztin an der Charité. Zwar genießen die Rapoports über Jahre Privilegien durch ihre ausländischen Pässe, stehen aber hinter der sozialistischen Idee, auch wenn Inge einräumt, dass die Partei nicht immer klug gewesen sei. Der Mauerfall 1989 habe sie nicht beglückt, sagen sie, haben sie mit der DDR doch ihre ideologische Heimat verloren. Und dennoch resümieren sie "Lieber so als eine Mittelmäßigkeit im Leben."

Begründung der Jury

Wann immer die großen Urteile über die Geschichte gefällt sind, werden die Einzelschicksale darunter verdeckt. Im Jahr 1952 folgen Samuel Mitja Rapoport und seine Frau Inge einem Ruf an die Humboldt-Universität in Ost-Berlin - zwölf Jahre nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten in die USA. Die Rapoports sind erfolgreiche Ärzte, hoch dekoriert und angesehen. Aber sie sind Kommunisten. Von McCarthys Kommunistenhatz verfolgt, bietet ihnen allein die DDR ein politisches und berufliches Asyl. Mitja und Inge Rapoport werden staatstreue Sozialisten, befürworten den Bau der Berliner Mauer und erleben den Zusammenbruch der DDR als Fiasko. Ungebrochen in ihren politischen Ansichten, mit viel Liebe zum Leben und zueinander, begegnen sie dem Zuschauer im hohen Alter als glückliche Menschen - ein Leben zwischen der Poesie des Herzens und der Prosa der Verhältnisse.

Der Film von Britta Wauer und Sissi Hüetlin über den harmonischen Einklang zweier politisch widersprüchlicher Leben hinterlässt den Zuschauer nicht als Bürokraten seiner vorgefestigten Ansicht über Geschichte und Politik. Liebevoll und zurückhaltend, ganz im Dienst der dargestellten Personen, lässt er die ekstatische Mitgift des Lebens und der Umstände spüren - die Gefühle und Stimmungen, Zufälle und Gelegenheiten, die verpassten und unverpassten. Virtuos verwebt er das historische Material mit der Gegenwart, die Urteile der Zeitzeugen und Kinder mit dem Selbstbild der Rapoports. Unaufdringlich und sensibel setzt er den Charme seiner Protagonisten frei, gibt er nicht nur das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.