Mr. Dicks – Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin (EinsFestival/ WDR)

Preisträger

Thilo Jahn (Buch)
Philipp Käßbohrer (Regie)
Matthias Murmann (Produktion)
Jochen Rausch (stellv. für die Innovationsredaktion des WDR und den Input von 1Live)

 

Inhalt

Lust? Ego? Rausch? "Mr. Dicks - Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin" widmet sich in jeder seiner halbstündigen Folgen einem übergeordneten Thema von gesellschaftlicher Bedeutung, dem sich Autoren, Künstler und Musiker in Einzelbeiträgen mit höchst unterschiedlichsten Darstellungsformen nähern.
Unkommentierte Filmaufnahmen, visuelle Experimente, klassische Reportagen, Geräusche, Collagen, Gespräche, Portraits und Musikvideos stehen jeweils für sich. Sie werden verbunden durch Auftritte der Kunstfigur Mr. Dicks, dem Namensgeber des crossmedialen Projekts. In kurzen, meist absurden Animationen greift die virtuelle Figur zusammen mit ihrem Flamingo in verstörender Art und Weise das Thema der Sendung auf. Dies geschieht ebenso wie bei den Beiträgen - deren Autoren prominent genannt werden - in unerwarteter, unbequemer Art und Weise.
Die Idee zu "Mr. Dicks - Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin" wurde entwickelt von 1LIVE, dem erfolgreichsten jungen Radioprogramm der ARD und der Kölner Produktionsfirma bildundtonfabrik ("Neo Magazin"). Das daraus entstandene TV-Format ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen 1LIVE, bildundtonfabrik und dem ARD-Digitalprogramm Einsfestival. So findet "Mr. Dicks" neben der TV-Ausstrahlung bei Einsfestival auch crossmedial im Netz sowie Radio statt. Dabei wurden die Beiträge der ersten Sendungen bei 1LIVE aufgegriffen und die Themen im Rahmen von "Plan B" im Abendprogramm vertieft. Online erhielt das Format über die namensgebende Kunstfigur via Website und Tumblr eine digitale Identität.
 

Stabliste

Buch: Thilo Jahn, Julia Ott, Hanna Zimmermann
Kamera: Kristian Bengtsson, Nicolas Berse, Martin Borchers, Martin Beume, Maximilian Kaiser, Julian Reich
Schnitt: Rainer Nigrelli, Lennert Rothenberg
Ton: Alexander Werth, Pirmin Punke, Marcus Zilz
Animation: Julian Schleef, Matthias Gerding, Jakob Weiss, Florian Köhne
Redaktion:
Pilot/Folge 1: Jochen Rausch (EinsLive), Ulrich Krapp (EinsLive), Carsten Wiese (WDR Fernsehen), Julia Thiel (EinsLive), Annabell Neuhof (EinsFestival), Hans Christian Mennenga (EinsLive)
Folgen 2 bis 4: Jochen Rausch (EinsLive), Ulrich Krapp (EinsLive), Julia Thiel (EinsLive)
Produktion: bildundtonfabrik
Produzent: Philipp Käßbohrer, Matthias Murmann
Erstausstrahlung: ab Mittwoch, 05.02.2014, 22.10 Uhr, Eins Festival
Sendelänge: je 30 min

 

Begründung der Jury

Was für eine Zumutung: "Mr. Dicks - Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin" verzichtet auf Einführung, Moderation und Fazit. Es verzichtet auf eine Sprache, die sich bei der angepeilten jungen Zielgruppe anbiedert. "Mr. Dicks" ist Fernsehunterhaltung, die das Publikum so plötzlich packt, wie sie es dann auch wieder mit dem Gesehenen allein lässt. Mal amüsiert sie, mal irritiert sie.
Die Kölner Produktionsfirma bildundtonfabrik, 1LIVE und Einsfestival beweisen mit dieser Sendung, dass es im Segment des öffentlich-rechtlichen Infotainment noch einen Ansatz gibt, der bisher zu oft übersehen wurde: Sein Publikum mitdenken lassen. Das Gezeigte ist ein Angebot an die Zuschauerinnen und Zuschauer. Es darf verstanden werden, muss aber nicht.
In einer Zeit der allgegenwärtigen Vor-, Auf- und Nachbereitung des Gesehenen geht "Mr. Dicks" erfreulicherweise verschwenderisch um mit seinen Autorenfilmen, die mit bemerkenswerter Präzision nie zu lang ausgebreitet werden. Wenn zum Thema Rausch einer der Filme enthusiastische Fußballfans während eines Spiels gänzlich unkommentiert zeigt oder das Publikum ohne lange Einführung in voller Länge eine Downhill-Fahrt auf dem Mountainbike aus der Perspektive des Sportlers miterlebt, dann geschieht dies ohne die sonst übliche Personalisierung über die Protagonisten.
Denn es geht um Eindrücke und Erkenntnisse; nicht um das Erzählen von Geschichten. Die Verknappung sorgt idealerweise für Neugier, die bei diesem crossmedialen Format auf anderen Plattformen vertieft werden kann. In der Vielfalt der Ausdrucksformen ist "Mr. Dicks" eine Spielwiese für Kreativität, die das deutsche Fernsehen dringend braucht.
Die virtuelle Figur des "Mr. Dicks" erfüllt dabei als Bindeglied zwischen den voneinander unabhängigen Filmen mehrere Funktionen: Sie ist als Namensgeber nicht nur die crossmedial wiedererkennbare Klammer. Die in kurzen Segmenten auftauchende Figur erlöst das Format und sein Publikum auch von der Notwendigkeit eines durchgängigen Moderators oder Presenters.
Entwickelt in der gemeinsamen „Innovationsredaktion Junges Fernsehen“, kann das crossmediale Projekt ein Beispiel dafür sein, wie das neue digitale Jugendangebot von ARD und ZDF vorhandene Kreativität in den öffentlich-rechtlichen Anstalten nutzen könnte. Hier hat es funktioniert. "Mr. Dicks - Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin" ist eine sehr willkommene Zumutung.