Work Hard Play Hard (ZDF/ARTE)

 

 

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PreisträgerInnen

Carmen Losmann (Buch/Regie)
Dirk Lütter (Kamera)

Produktion: HUPE Film

Erstausstrahlung:
Donnerstag, 06.03.2013, 21.45 Uhr, ARTE
Sendelänge: 90 Min.

 

 

Inhalt

„Ich sehe das Berufsleben als Spiel“, erklärt die Mitarbeiterin im internen Assesment-Center. „Es erleichtert Dinge, wenn man über sich lachen kann.“ Um herauszufinden, welches Potential in der Belegschaft steckt, haben die Verantwortlichen der Firma Schott Solar ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Gespräch geladen. Mit dabei: Eine Managerin der Unternehmensberatung Kienbaum und zwei Kollegen. Auf dem Papier hätten Chefs oft die korrekten strategischen Entscheidungen getroffen, erklärt sie. Und doch geht es mit dem Geschäft nicht in die richtige Richtung. Deswegen wollen die Verantwortlichen in den letzten Jahren verstärkt herausfinden, welche Persönlichkeiten ihre Mitarbeiter eigentlich haben – Stärken und Schwächen inklusive. Dabei spricht die Beraterin von einer „kritischer Masse“ an Mitarbeitern, die für Firmen relevant sind. Neben Schott Solar zeigt „Work Hard – Play Hard“ auch andere Unternehmen, wie Tower Watson, DHL, Kienbaum, Accenture, Unilever oder Endress+Hauser. Sie alle haben eins gemeinsam: Veränderung. Entweder haben sie sich durch ein neues Arbeitsplatzkonzept verändert, wollen eine neue Unternehmenskultur einführen oder einfach mehr über Ihre Angestellten wissen. Sie erarbeiten Strategien, wollen Menschen mitnehmen und Prozesse implementieren. Das große Ziel lautet überall: Optimierung. Die Arbeitswelt ist einem ständigen Wandel unterworfen. Die Farbe der Bürowände („Braun erinnert zu sehr an zu Hause“) und die Auswahl der Möble spielen dabei ebenso eine große Rolle wie der ständige Druck, noch besser zu werden, noch mehr zu optimieren.

 

 

Stab

Produktion: HUPE Film
Federführender Sender: ZDF/ARTE
Buch/Regie: Carmen Losmann
Kamera: Dirk Lütter
Schnitt: Henk Drees
Ton: Ulla Kösterke, Andreas Hildebrandt, Filipp Forberg
Redaktion:
Anne Even

 

 

Jurybegründung

Was bedeutet die Arbeit für Sie? Broterwerb? Nun. Selbstverwirklichung? Besser. Die Möglichkeit, als Unternehmer im Unternehmen die gemessenen Kennzahlen jeden Tag mit Spaß überzuerfüllen und dabei die Umsatzsteigerung und den Börsenwert stets im Blick zu haben? Gut. Sie sind entwicklungsfähig.


Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt, die Carmen Losmann in „Work Hard, Play Hard“ in langen Einstellungen kommentarlos sich selbst darstellen lässt. Es ist eine Welt der Berater, Sanierer und „Change Agents“, in der einerseits alles von Nutzen ist, was man messen kann, und andererseits alles zu „Challengen“, was sich dem „Cultural Change“ als Widerstand erweist. Denn der Arbeitnehmer das Humankapital  ist, nachdem alle Prozesse und Strukturen revidiert und optimiert sind, der hartnäckigste Brocken, wenn es um Wachstum geht. Jeden Tag soll, muss diese Ressource sich selbst besser erschließen.


Gehört haben wir von solchen Entwicklungen: Auswüchse der modernen Arbeitswelt. „Work Hard, Play Hard“ zeigt, dass die scheinbare Ausnahmeerscheinung Basis allgemeiner Arbeitsorganisation geworden ist. Ein lukratives Tummelfeld für die Heerschar der Optimierer, Personalentwickler, Trainer, Arbeitsplatzgestalter und Firmenarchitekten, die hier vor allem auch als nimmermüde Erfinder einer totalitären Sprache für Eingeweihte auftreten.


 „Nonterritoriale Arbeitsplatzkonzepte“ und die „Net-und-Nest-Etage“ sollen den Arbeitenden davon ablenken, dass er arbeitet und im Idealfall einen Zustand des ungeplanten „Flow“ geplant herbeiführen. Leitung geschieht im „Führungsstil des unterstützenden Führens – reflektiv, empathisch, wertschätzend, alert, rational und direkt“. Sprachlich hochtrabend werden Visionen, Philosophien und Kulturen beschworen, in Wirklichkeit aber geht es für den Einzelnen darum, das Leben als immerwährendes „Assessment Center“ anzunehmen – Selbstoptimierung ist erster Glaubensgrundsatz. Dirk Lütters Kamera schafft dabei Bilder, die  obwohl von distanziertem und beobachtendem Gestus überdeutliche, geradezu horrorfilmartige Spannung erzeugen.


Man fragt sich, wie Carmen Losmann all diese Jünger der ständigen Verbesserung dazu gebracht hat, sich so freimütig zu äußern. Merken sie nichts von der Menschenverachtung, die ihrem geschlossenen System eigen ist? Man höre auf, sich zu wundern. Diese „Leader“ sind als Speerspitze des „Change“ eins mit ihrem Tun. Mit „Work Hard, Play Hard“ zeichnet die Jury einen überaus erhellenden Film aus.