Bert-Donnepp-Preis 2008 für Steffen Grimberg (taz)
„Unabhängigkeit, Substanz und Haltung“ kennzeichnen die Kommentare und Berichte des taz-Medienredakteurs
(Marl) Der Bert-Donnepp-Preis 2008 geht an den Medienredakteur der taz, Steffen Grimberg. Er arbeitet seit Anfang 2000 für die Medienseite „flimmern und rauschen“ der alternativen „tageszeitung“ mit Sitz in Berlin. „Streng und gerecht, unbarmherzig gegenüber Freund und Feind, pointiert und klug analysierend, gern nonchalant im Ton, mal kess, mal kratzbürstig und dann und wann auch subversiv, wie es sich für einen „Tazzler“ gehört“, so die Jury in ihrer Begründung, halte Grimberg der Medien-Branche den Spiegel vor.
Nicht nur seinen mutigen Einsatz für die Erhaltung des Medienressorts hebt die Jury (unter Vorsitz der letztjährigen Preisträger, Kuno Haberbusch und der NDR-Redaktion „Zapp“) bei ihrer Preisentscheidung für Steffen Grimberg hervor. Vor allem sein hartnäckiges Engagement, seine unabhängige Position und seine Professionalität werden gewürdigt: „Seine Rechercheergebnisse sind Zeugnis exzellenter Branchenkenntnisse und Kontakte“, heißt es in der Begründung. Und weiter: „Ferngesteuert von niemandem, ist Grimbergs Stimme bei heiklen Themen immer wieder auch dann noch zu vernehmen, wenn im Rest des Blätterwaldes beredtes Schweigen herrscht. Grimberg steht verlässlich auf dem Fundament der Wahrhaftigkeit, er kann die erhellende Nuance liefern, auf die sonst keiner kam, die Meinung zu äußern wagen, die woanders unerwünscht ist.“
Der mit 5000 Euro dotierte Bert-Donnepp-Preis – 1991 vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises als Deutscher Preis für Medienpublizistik gestiftet – wurde am 3. Februar 2009 im Rahmen des „Bergfestes“ der Jurywoche beim Adolf-Grimme-Preis in Marl verliehen.
Die Begründung der Jury
zur Vergabe des Bert-Donnepp-Preises 2008 an Steffen Grimberg
Die vergangenen beiden Jahre waren medienpolitisch ereignisreiche, turbulente und kämpferische Jahre. Springer wollte ins Fernsehen einsteigen, stattdessen kamen die Heuschrecken, das „WAZ-Modell“ wird Geschichte und die „Berliner Zeitung“ wehrte sich dagegen, auf Geheiß eines Finanzinvestors von Journalis-mus auf Rendite umgepolt zu werden.
Ganz besonders erhitzte die Debatte um die Novellierung des Rundfunkstaats-vertrags die Gemüter, bei der es im Kern um die Internet-Aktivitäten der öffent-lich-rechtlichen Sender und damit um ein Konkurrenzfeld zur Printbranche ging. Bei dieser Auseinandersetzung war es verblüffend zu erleben, wie „die freie Presse“ ihr ansonsten so hoch gehaltenes publizistisches Selbstverständnis von Unabhängigkeit und Überparteilichkeit opferte, wie Zeitungen und Zeitschriften zu Sturmgeschützen von Verlagsinteressen wurden und Medienredakteure zu Bauchrednern ihrer Verleger.
Angesichts dieser Gemengelage im Zeitalter von Internet und Globalisierung, wo so vieles aus dem Ruder lief, war es erfrischend und erfreulich, dass die Medienredaktion der „taz“ nicht vom Kurs der Glaubwürdigkeit abkam. Hier meldete sich auf der schon legendär zu nennenden Seite „flimmern und rauschen“ wie auch im politischen Teil Steffen Grimberg mit Berichten und Kommentaren zu Wort, die sich durch Unabhängigkeit, Substanz und Haltung auszeichneten. Streng und gerecht, unbarmherzig gegenüber Freund und Feind, pointiert und klug analysierend, gern nonchalant im Ton, mal kess, mal kratz-bürstig und dann und wann auch subversiv, wie es sich für einen „taz'ler“ gehört, hält er der Branche den Spiegel vor.
Seine Rechercheergebnisse sind Zeugnis exzellenter Branchenkenntnisse und Kontakte. Ferngesteuert von niemandem, ist Grimbergs Stimme bei heiklen Themen immer wieder auch dann noch zu vernehmen, wenn im Rest des Blätterwaldes beredtes Schweigen herrscht. Grimberg steht verlässlich auf dem Fundament der Wahrhaftigkeit, er kann die erhellende Nuance liefern, auf die sonst keiner kam, die Meinung zu äußern wagen, die woanders unerwünscht ist.
Und er kann auch schon mal übers Ziel hinausschießen, eben wie es sich für einen „taz'ler“ gehört. Aber er verfügt über die nötige professionelle Einsicht und den Humor, um sich in solchen Fällen umgehend selbst zu korrigieren. Über die mangelnde Unterhaltsamkeit seiner Texte musste sich noch niemand beklagen.
Steffen Grimberg, geboren im Revolutionsjahr 1968, arbeitet seit Anfang 2000 für die Medienseite der „taz“ in Berlin. In diesen Jahren hat er die Kultur des Medienjournalismus hochgehalten. Und dies trotz mancher struktureller Nachteile, welche die Alternativität einer Tageszeitung so mit sich bringt. Im harten Geschäft um Aktualität ist die „Medienseite der „taz“ bekanntlich die mit dem frühesten Redaktionsschluss der Republik, seit Jahrzehnten ist ihre Ausstattung unüppig und ihr Etat einfach nur „taz“-typisch.
Zum Glück ist diese Medienseite – für deren Tradition auch Namen wie Renée Zucker, Klaudia Wick, Hans-Hermann Kotte oder Lutz Meier stehen – 2003 im Zuge einer größeren Blattreform nicht, wie es unglaublicherweise angedacht war, abgeschafft worden. Steffen Grimberg hat Auseinandersetzungen mit der Chefredaktion nicht gescheut, um die Medienredaktion als eigenständiges Ressort zu erhalten. Dass dies auch künftig Bestand hat, bleibt sehr zu hoffen. Denn eine „taz“ ohne „flimmern und rauschen“ ist schlichtweg so unvorstellbar wie ein Leben ohne Medien.
Steffen Grimberg wird für seine Arbeit als Medienredakteur der „taz“ mit dem Bert-Donnepp-Preis 2008 (Deutscher Preis für Medienpublizistik) ausgezeichnet. Möge diese Ehrung eines ihrer Mitarbeiter auch aufzeigen, dass die Existenz einer alternativen Tageszeitung nie so wertvoll war wie heute. Ganz so, wie es sich für einen Medienmarkt gehört, auf dem immer mehr Medien zum Schaden der Meinungsvielfalt untereinander verflochten sind.
Der Preisträger
- Steffen Grimberg, Preisträger des Bert-Donnepp-Preises 2008 (Foto: Claudia Jaquet)
Preisverleihung
Steffen Grimberg erhielt den Bert-Donnepp-Preis im Rahmen des Bergfestes der Jury-Woche am 3. Februar 2009 im Grimme-Institut. Nach der Laudatio von Kuno Haberbusch (NDR) und der Überreichung der Urkunde durch Jürgen Büssow (Verein der Freunde des Grimme-Preises) diskutierten Uwe Kammann, Steffen Grimberg, der WDR-Redakteur Heribert Blondiau, Michael Ridder (epd) und der Dokumentarfilmer Hubert Seipel u.a. über die Aufarbeitung der Finanzkrise durch das Fernsehen. (Alle Fotos: Claudia Jaquet)
Archiv
Im Vorjahr nahmen Kuno Haberbusch und die NDR-Redaktion des Medienmagazins "Zapp" den Bert-Donnepp-Preis entgegen. Alle Informationen zu den Preisträgern des Jahres 2007 erfahren Sie hier.
