Bert-Donnepp-Preis an Diemut Roether und Michael Ridder
Diemut Roether (Jahrgang 1964) studierte Journalistik, Deutsche Sprache und Literatur, Politik und Geschichte und Informationswissenschaften in Dortmund und Madrid. Von 1993 bis 2000 war sie Redakteurin bei ARD-aktuell. Seit Oktober 2002 ist sie Fachredakteurin für Medienthemen bei epd medien. Seit Juli 2009 leitet sie die Publikation als Verantwortliche Redakteurin.
Michael Ridder (Jahrgang 1972) studierte neuere deutsche Literaturwissenschaft, Philosophie und Kommunikationswissenschaft in Bamberg, Düsseldorf und Hagen. Er absolvierte ein Volontariat bei der Frankfurter Rundschau und ist seit Januar 2006 Redakteur bei epd medien.
Bert-Donnepp-Preisträger 2011: Weltvermittler und Welterklärer
Auszeichnung für epd-Journalisten Diemut Roether und Michael Ridder / „Sie sind die wahren Helden des Journalismus“
(Marl) „Sie sind die wahren Helden des Journalismus“, urteilte SZ-Journalist Hans-Jürgen Jakobs als Laudator über die Gewinner des diesjährigen Bert-Donnepp-Preis, Diemut Roether und Michael Ridder. Die beiden Journalisten von epd medien wurden in einer Feierstunde auf dem Bergfest des 47. Grimme-Preises 2011 im Marler Grimme-Institut ausgezeichnet.
Die beiden Preisträger, so die Begründung der Jury, hätten in den vergangen Jahren „immer wieder ihre Stimme erhoben, klare Positionen bezogen und medienpublizistische Akzente gesetzt, die in Erinnerung blieben und manchen forderten, den eigenen Standpunkt besser zu reflektieren und zu kommunizieren“. Beide hätten ein Gespür dafür, „wo man dem Medienbetrieb die Finger in die Wunden legt, wo man Rückgrat zeigen muss und wo man den bequemen Konsens aufkündigt“. Sie hätten notwendige Qualitätsdebatten angestoßen, uneitle Interviews mit dem größtmöglichen Nutzwert für den Leser geführt, sie hätten bissig kommentiert „und gelobt, wo es half“. Zur Qualität ihrer Arbeit gehöre auch, täglich einen Stamm von Autoren zu ermutigen und zu versammeln, „die mit Kompetenz und Leidenschaft die Medienwälder durchforsten".

Hans-Jürgen Jakobs, Leiter des Wirtschaftsressorts der Süddeutschen Zeitung, lobte in seiner Ansprache die Arbeitsweise der beiden Kollegen: „epd medien pflegt die Kunst des längeren, ausführlichen Gesprächs, des Ausbreiten von Standpunkten, bei gelegentlicher Gegenrede. Es sind solche Qualitäten, die dieses Medium hervorheben in einer Branche, die nur zu oft von der Erregung des Augenblicks und der Überpointierung bestimmter Mainstream-Themen lebt.“ Jakobs freute sich, dass gerade die beiden Preisträger eine winzig gewordene Nische besetzten. Sie fungierten in ihrer Rolle bei epd medien als „Weltvermittler und Weltenerklärer“ im heutigen Mediengeschäft.
In Ihrer Dankesreplik wiesen Diemut Roether und Michael Ridder darauf hin, dass Medienkritik nach wie vor ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung sei. „Wir sind auch dem wundersamen Gebilde ARD und dem nicht minder wundersamen Medienhaus ZDF dankbar dafür, dass es sie gibt. Dass sie uns mit Schleichwerbung, Skandälchen und handfesten Skandalen und einer manchmal schon grotesken Programmplanung immer wieder Stoff für Kommentare und Glossen liefern“, so Diemut Roether.
Für beide, so Michael Ridder, sei mit dieser Auszeichnung eine große Last von den Schultern gefallen: „Für uns beide ist es der erste Journalistenpreis. Nun sind wir von davon befreit, permanent an uns selbst zu zweifeln, weil wir noch keine dieser Auszeichnungen gewonnen haben.“
Die beiden Preisträger sehen in ihrer Arbeit eine wichtige Referenz in der deutschen Medienpublizistik. Ihren Dank verbanden sie mit der Hoffnung, „dass eines nicht allzu fernen Tages wieder mehr in epd medien investiert wird und dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass aktuelle Berichterstattung allein noch keinen guten Medienfachdienst ausmacht.“

Dem Kreis von Autoren, die unter der Schlagzeile „Auferstanden von den Quoten“ eine Parodie der WDR-Hauszeitschrift WDR PRINT veröffentlicht hatten, sprach die Jury eine lobende Erwähnung aus. Mit ihrem „hintersinnigen Fake“, so die Begründung, hätten die Autoren einen „einfallsreichen und seriösen medienpolitischen Diskussionsbeitrag“ geleistet, der den Blick freimache auf eine mögliche Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und damit eine Denkübung leiste, „die in allen Sendern des öffentlich-rechtlichen Systems ernst genommen werden sollte“.
Der Bert-Donnepp-Preis wird seit 1991 vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises als Deutscher Preis für Medienpublizistik gestiftet und jährlich im Rahmen des Bergfestes der Jury-Woche im Grimme-Institut verliehen.
Weitere Informationen:
Henning Severin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 47. Grimme-Preis 2011
Telefon: 02365 9189-38
Telefax: 02365 9189-89
E-Mail: severin@grimme-institut.de
Laudatio von Hans Jürgen Jakobs
Dankesreplik von Diemut Roether und Michael Ridder
Lobende Erwähnung für die WDR-PRINT-Parodie „Auferstanden von den Quoten“
Begründung der Jury:
Was wäre wenn? Wenn tatsächlich Quotenhuberei abgeschafft wäre? Wenn die gängigen Unterhaltungsformate in einem Aufwasch mit einer einzigen Sendung von Margarethe Schreinemakers entsorgt würden? Wenn der Arbeitstag von Konferenzen aller Art frei geräumt und ganz und gar der inhaltlichen Arbeit an Programmen gewidmet wäre? Solche Fragen haben sich Freie Autoren im WDR gestellt und ihre Träume in einer gelungenen Parodie der Hauszeitschrift WDR-PRINT auch ausformuliert – als engagierten Anstoß zum Nachdenken. Mit ihrem hintersinnigen Fake haben die Autoren einen einfallsreichen und seriösen medienpolitischen Diskussionsbeitrag geleistet, der unter dem Arbeitstitel „Auferstanden von den Quoten“ den Blick freimacht auf eine mögliche Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks -- eine Denkübung, die in allen Sendern des öffentlich-rechtlichen Systems ernst genommen werden sollte.


