Lebensnah und relevant

Acht Preisträger beim Grimme Online Award 2012

 

Acht Websites sind in diesem Jahr mit dem Grimme Online Award wegen ihrer herausragenden publizistischen Qualität im Netz ausgezeichnet worden. Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, hob im Rahmen der Preisgala am 20. Juni in Köln die Qualitätsdichte des Wettbewerbs hervor. Sie belege eindrucksvoll die publizistischen Potenziale des Netzes. Die Verleihung des Grimme Online Award bildet traditionell den Schlusspunkt beim Medienforum.NRW.

 

Moderatorin Sabine Heinrich mit Grimme-Direktor Uwe Kammann; Foto: Jens Becker/lensemann.de

Die Bilanz bei diesem 12. Grimme Online Award sei so erfreulich wie klar: "In beeindruckender Weise demonstrieren die Preisträger, welch eine hohe Qualität im Netz möglich ist, und dies bei aller Rasanz, mit der sich die Netzwelt entwickelt, immer weiter verzweigt und dabei ständig neue Räume erschließt." Die ausgezeichneten Online-Angebote zeigten beispielhaft, "wie sich lebensnahe und relevante Themen innovativ und formal anspruchsvoll sowohl netz- als auch nutzergerecht realisieren lassen".

Auch die Jury lobt in ihrem Statement die insgesamt hohe Qualität und Vielfalt des Angebots: "Themen werden im Internet einmal mehr anders erzählt, anders präsentiert, die Leserschaft wird anders beteiligt." Dabei kristallisiere sich "eine neue Strömung heraus, die verstärkt einen Protagonisten in den Mittelpunkt stellt: den Menschen". Die Auswahl unter den 26 nominierten Angeboten sei der Jury sehr schwergefallen, so der Juryvorsitzende Michael Schwertel: "Gerne hätten wir mehr als die acht möglichen Preise vergeben."

Preisträger Ekrem Şenol mit Laudator Richard Gutjahr; Foto: Jens Becker/lensemann.de

Integration und Mobilität

 

In der Kategorie Information prämierte die Jury zwei Angebote, die sich engagiert und perspektivenreich aktuellen Themen zuwenden. Das "MiGAZIN" widme sich den Fragen von Migration und Integration "mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung", so die Jury. Die vornehmlich aus Migranten bestehende Redaktion schaffe mit ihren Sichtweisen neue Einblicke in ein emotionales Thema.

Das Weblog "Zukunft Mobilität" wird als überzeugende Einzelleistung und gelungenes Beispiel für eine aktuelle, kritische und problembewusste Beschäftigung mit Verkehrsthemen ausgezeichnet, die zugleich eine "lebendige Wissensplattform" biete. 

 

Die Preisträger von Lobbypedia mit Laudatorin Annett Louisan.

Politik und Musik

 

In der Kategorie Wissen und Bildung gab es drei Preise. Mit dem ARTE-Angebot "Amazonien – die Seele der Indios" würdigte die Jury ein Web-Special, das sich in Videos und Texten dem bedrohten Amazonasgebiet widmet. "Mit Schlagwörtern, Glossar und dezenter Menüführung sowie einer sorgfältig komponierten Abfolge der Videos setzt das Angebot zudem Maßstäbe", so die Jury.

Bei der ausgezeichneten Website "Lobbypedia" wird hervorgehoben, dass über die Aufbereitung öffentlich zugänglicher Informationen die Verknüpfungen zwischen Politik und Wirtschaft transparent gemacht würden. So werde, basierend auf dem Netzwerkgedanken, "eine sorgfältige Zusammenstellung des Lobbyismus in Deutschland" präsentiert.

Der YouTube-Kanal "MusikTraining" überzeugte die Jury durch die kompetente Aufbereitung vielfältiger Themen, mit denen Musikkenntnisse vermittelt werden. Die Kombination aus Fachwissen und journalistischen Anteilen sei "perfekt gemischt – ohne es dabei an Unterhaltung mangeln zu lassen".

Das Team von "berlinfolgen" mit Preispate Armin Rohde (m.); Foto: Jens Becker/lensemann.de

Porträtformate

 

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung prämierte die Jury zwei Angebote, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. "140 Sekunden" porträtiert in 140 Sekunden langen Videos Menschen, die hinter erfolgreichen und originellen Twitter-Accounts stehen. Die hochwertigen Videos verliehen diesen Tweets ein persönliches Gesicht und verdeutlichten in aller Kürze die Leidenschaft der dahinterstehenden Personen. Die Interaktionsmöglichkeiten des Internets würden vorbildlich integriert.

Als überragend bezeichnet die Jury die Gestaltung der Website "berlinfolgen" von 2470media und taz.de. Bei diesen Porträts von Menschen aus Berlin entstehe durch die Kombination aus erstklassiger Reportagefotografie, O-Tönen und kurzen Filmsequenzen ein außergewöhnliches Mediengenre.

 

Michaela Melián erhält den Preis von Laudatorin Nadja Becker (r.); Foto: Jens Becker/lensemann.de

Erinnerung und eine App

 

In der Kategorie Spezial wurde das Tonspuren-Projekt "Memory Loops" ausgezeichnet. Hier verortet die Künstlerin Michaela Melián neu gesprochene Tondokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus im Stadtraum von München. In ausgereifter Form entstehe eine intensive Verbindung von medialer Aufbereitung und unmittelbarer Erfahrung.

Der Publikumspreis geht in diesem Jahr an die "Tagesschau-App". Aus allen 26 für den Grimme Online Award nominierten Netzangeboten konnten die Nutzer auf einer Abstimmplattform bei TV SPIELFILM ihren Favoriten wählen.

klicksafe-Preis

 

Im Rahmen der von Sabine Heinrich moderierten Preisverleihung in der Veranstaltungshalle DOCK.ONE wurde auch der klicksafe Preis für Sicherheit im Internet vergeben. In der Kategorie Webangebote ging er an das Portal "ins-netz-gehen.de". Die Jury würdigte bei diesem Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besonders, dass es das Thema problematischer Computer- und Internetnutzung hervorragend veranschauliche, Faktenwissen vermittle und dabei gleichzeitig abwechslungsreich unterhalte. In der Kategorie Projekte wurde das Infocafe der Stadt Neu-Isenburg mit einem klicksafe Preis ausgezeichnet, das laut Jury lokale medienpädagogische Arbeit so beispielhaft umsetze, "dass man sich viele Nachahmer wünscht".

 

Magazin und Grimme-App

 

Das zum 12. Grimme Online Award erscheinende Magazin "grimme" bietet Beiträge zum Schwerpunktthema mobile Internetnutzung und Apps. Zu den Autoren gehören Carsten Fiedler, leitender Redakteur der Rheinischen Post, Johannes Klaus (Grimme Online Award 2011 für die "Reisedepesche") und Barbara Witte, Professorin für Rundfunkjournalistik und Onlinekommunikation.

Gestaltet wurde das aktuelle "grimme"-Magazin vom Düsseldorfer Studio Digibox, das auch eine App zum Grimme Online Award entwickelt hat. Hier finden Sie weitere Informationen zu allen Preisträgern, sowie die während der Preisverleihung gezeigten Einspielfilme zu den Preisträgern, die von der Kölner Fernseh-Produktionsfirma GRUNDY Light Entertainment produziert wurden. Im Blog "quergewebt" finden sich Interviews mit den Nominierten. Aktuelle Informationen gibt es auf Facebook unter www.facebook.com/grimme.online.award, Fotos von der Preisverleihung unter unter www.flickr.com/photos/grimmeonlineaward.