Begründung der Jury

„Prison Valley” ist der gelungene Versuch, dem Medium Film ein neues, interaktives Format zu geben.  Der Beitrag zeigt exemplarisch: So geht Film im Internet. „Prison Valley” nimmt vorweg, welche publizistischen Wege sich dem interaktiven Fernsehjournalismus der Zukunft öffnen.
„Prison Valley” porträtiert einen Ort in den USA, in dem Gefängnisse der wichtigste Wirtschaftsfaktor sind. Das verleiht dem Städtchen Cañon City, Colorado, eine bedrückende, düstere Stimmung. Ein faszinierender, diese Grundstimmung aufnehmender Dokumentarfi lm bildet das Rückgrat des Angebotes. Ein kurzer Vorspann zieht die Zuschauer hinein, führt in das Thema ein und stellt erste Protagonisten vor. Aus dem bis zu diesem Punkt zuschauenden Publikum werden Handelnde und Mitgestalter.  Elemente aus der Spiele-Welt laden die Zuschauer ein, mehr zu erfahren und mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten. Jeder geht auf seine persönliche Entdeckungstour, deren Etappen man speichern kann, weil das Angebot für eine einzige Sitzung zu groß ist. Zu entdecken gibt es Fotos, Interviews, Texte und historische Dokumente. Externe Links führen zu aktualisierten Zusatzangeboten.  Dann geht es wieder zurück zum bildgewaltigen Film. Dabei verlassen die Autoren sehr schnell das titelgebende Tal und lassen ihre Protagonisten auch grundsätzliche Fragen nach Ethik und Wirksamkeit des Wegsperrens von Straftätern aufwerfen – Fragen, die auch am Beispiel Frankreich erörtert und in der Community diskutiert werden. „Prison Valley” – ein Beitrag über Gefängnisse – experimentiert überzeugend mit Multimedia-Freiheit.