Eisenfresser - Begründung der Jury

Shaheen Dill-Riaz hat offensichtlich nicht umsonst Kunstgeschichte und Kamera studiert: Die Eröffnungssequenzen seines Films erinnern an Ilja Repins „Wolgatreidler“ und natürlich an Fritz Langs „Metropolis“. Eine Totale von oben zeigt: gestaltlose Wesen, Arbeiter - wie bei Fritz Lang eine Art Arbeitsameisen – und ein gestrandetes, riesiges Schiff, dann, in der Dunkelheit, das Licht von vielen Schweißbrennern. Den Arbeitern, die unter rhythmischem Singsang ein Teil eines Schiffswracks an den Strand ziehen, gibt die Kamera dann Gestalt und Leben.

 

Es ist eine -- natürlich seine: des Autors, Regisseurs und Kameramanns in Personalunion -- „poetische Kamera“, die uns Zuschauern zum intensiven Hinsehen führt. Und damit auch einen genauen Blick ermöglicht auf die Konsequenzen unserer Wohlstandsgesellschaft, die ihre Problemfälle in andere Länder auslagert. Es tut weh und muss wohl auch weh tun, wenn wir sehen müssen, wie mit modernsten Technologien gebaute Schiffe nun mit den primitivsten Mitteln zu verwertbarem Schrott zerlegt werden. Und wenn ein Arbeiter sagt „Wir schuften wie die Tiere“, während er mit vielen anderen an einem Seil zieht, dann stellen sich manche Assoziationen ein, so wie Bilder von stoisch arbeitenden Wasserbüffeln.

 

Shaheen Dill-Riaz zeigt seine Sympathien für die ganz unten stehenden Landarbeiter, ohne die andere Seite -- die der kleinen Subunternehmer und der Werftbesitzer.-- zu denunzieren. So dass auch Ehrerbietungsrituale aufscheinen, so für den Boss der Werft, dessen Besitz den bezeichnenden Namen „Friede, Glück und Wohlstand“ trägt.

Und dann gibt es immer wieder diese archaischen Bilder von den auf den Strand stürzenden Schiffsteilen, von dieser Dekonstruktion stählerner Gebilde, die auf den ersten Blick für Handel und Fortschritt und Vorwärtskommen stehen.

 

Der Autorenkommentar macht uns unaufgeregt mit wichtigen Fakten vertraut, z.B. zur sozialen Situation der Landarbeiter oder auch zur Bedeutung des durch das Abwracken der Schiffe gewonnenen Eisens für die Bauwirtschaft in Bangladesch. Es sind aber eben die Bilder, die im Kopf bleiben und die uns deutlich machen, dass das Wort Wohlstandsmüll eine ziemlich brutale Verharmlosung dessen ist, was wir da den Menschen in Bangladesch (und anderswo, mit anderen Konstellationen und Bedingungen) zumuten.